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FAZ.NET-Spezial 20.Juli : Das Attentat

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Als sich schließlich die Regierung Adenauer offiziell am 2. Oktober 1951 hinter die "Männer und Frauen des 20. Juli" stellte, weil gerade sie den Beweis erbracht hätten, "daß nicht die Gesamtheit des deutschen Volkes dem Nationalsozialismus verfallen war", befand sich ein kleiner Entschuldigungssatz für die gesamte Wehrmacht in der Erklärung: „Wir wissen, daß viele insbesondere der Soldaten an der Front das Hitlersystem und seine verderbenbringende Politik nicht durchschauen konnten."

„Denkende Soldaten"

Wenige Monate später wurde in einem vielbeachteten Prozeßgutachten zwischen den „Nur-Soldaten", die das Attentat aus Gründen des soldatischen Gehorsams und der „bedingungslosen" Eidestreue ablehnten, und jenen „denkenden Soldaten" unterschieden, die zu der Auffassung kamen, „daß ein Eid unter besonderen, ganz außergewöhnlichen Gegebenheiten seine Begrenzung finden" dürfe: "Beide Standpunkte haben ihre volle Berechtigung."

Heutzutage stehen die "denkenden Soldaten" bei der Bundeswehr und der Bevölkerung in hohem Ansehen. Fast dreiviertel der Deutschen sollen mittlerweile die Tat vom 20. Juli wegen ihrer symbolischen Bedeutung achten und achtzig Prozent der Schüler sogar mit dem Namen Stauffenberg etwas anfangen können.

Dieses positive Bild des „Aufstands der Offiziere", bei dem die Leistungen der für die Nachkriegszeit planenden Zivilisten (leider) allzu stark in den Hintergrund getreten sind, korrespondiert allerdings nicht mit dem in den europäischen Nachbarstaaten; dort interessiert man sich allenfalls für Hitler.

Dabei hatte die Bundesrepublik seit ihrer Gründung in einer Art selbstempfundener Kollektivschuldabwehr stets den größten Wert darauf gelegt, auch durch das Bekenntnis zum „anderen Deutschland" in den Kreis der zivilisierten Nationen zurückgekehrt zu sein. Diesbezüglich stellte Bundespräsident Heuss zum zehnten Jahrestag des 20. Juli noch allzu optimistisch über die Widerstandskämpfer fest: „Die Scham, in die Hitler uns gezwungen hatte, wurde durch ihr Blut vom besudelten deutschen Namen wieder weggewischt."

„Retter in Uniform"

Wenn es nach nunmehr sechzig Jahren überhaupt in den vormals besetzten Staaten, in denen das schreckliche Geschehen des Zweiten Weltkriegs nicht vergessen ist, so etwas wie Lichtgestalten aus der Wehrmacht geben kann, so lassen sich diese weniger bei den mutigen, auf den Regimesturz setzenden, aber auch vereinzelt in die "Verbrechen im Osten" verstrickten Offizieren des 20. Juli finden.

Viel naheliegender - auch räumlich - sind für das Ausland beispielsweise jene "Retter in Uniform", die wie der Feldwebel Anton Schmid oder der Reservehauptmann Wilm Hosenfeld als Besatzer unter Einsatz ihres Lebens rassisch und politisch Verfolgten halfen. Sie verfügten weder über den Willen noch über die Möglichkeit, das "Dritte Reich" zum Einsturz zu bringen. Aber sie nutzten, trotz Eid und Gehorsam, ihre Handlungsspielräume, auch ihre dienstlichen. Dafür gebühren dem erst in jüngster Zeit näher untersuchten "Rettungswiderstand", den es auch in Deutschland gab, ebenso wie den "Rettern der deutschen Ehre" der Dank und die Anerkennung der Miterlebenden und Nachgeborenen.

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