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FAZ.NET-Exklusiv : Deutscher Mazedonien-Kommandeur Harder: „Wir gehen mit großem Rückhalt in die Mission“

  • Aktualisiert am

Oberst Harder: Wir müssen wachsam und vorsichtig sein Bild: Bundeswehr

Die Soldaten seien gut vorbereitet, das Material besser als sein Ruf. Oberst Harder, Kommandeur des deutschen Kontingents, im FAZ.NET-Interview.

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          Nach dem Ja des Bundestags zum Mazedonien-Einsatz der Bundeswehr geht der Kommandeur des deutschen Kontingents der Task Force Harvest, Oberst Ernst-Wilhelm Harder, mit Zuversicht in seinen Einsatz. Die Soldaten seien gut vorbereitet, und das Material sei besser als sein Ruf, sagt Harder im Gespräch mit FAZ.NET. Im Übrigen bedeute die breite Zustimmung des Parlaments einen großen Rückhalt für die Soldaten.

          Herr Harder, Sie tragen Verantwortung für etwa 500 Bundeswehrsoldaten, die nach Mazedonien einrücken. Haben Sie Angst vor diesem Einsatz?

          Ich glaube, es besteht keine Veranlassung, hier Ängste zu entwickeln. Wir wussten ja, dass dieser Einsatz kommen kann, so dass die Soldaten sowohl hier im Kosovo als auch in Deutschland gut vorbereitet sind.

          Auf englischer Seite hat es Anfang dieser Woche den ersten Toten gegeben. Kein Grund zur Sorge?

          Man muss wissen, dass wir in ein Land hineingehen, in dem bis vor kurzem noch Kämpfe stattgefunden haben. Jetzt herrscht dort ein Waffenstillstand. Aber sicherlich wird es so sein, dass radikale Kräfte mit bestimmten Vereinbarungen, die getroffen wurden, nicht einverstanden sind. Das heißt, man muss besonders wachsam und vorsichtig sein.

          Der Vorfall zeigt auch, dass die Nato-Soldaten in Mazedonien nicht mit offenen Armen empfangen werden.

          Offensichtlich ist noch nicht in alle Bevölkerungsteile hineingedrungen, was die Nato leisten kann, nämlich Hilfestellung für einen politischen Prozess geben, der in dem Land entsprechend umgesetzt werden muss. Das bedarf sicherlich noch einiger Zeit, wird aber nicht alle radikalen Kräfte erreichen können. Darauf muss man vorbereitet sein.

          Anders als die Vereinten Nationen ist die Nato keine neutrale Ordnungsmacht. Ist das Militärbündnis die richtige Organisation, um in Mazedonien Waffen einzusammeln?

          Die Nato hilft in Mazedonien, weil sie von beiden Seiten darum gebeten wurde. Im Übrigen ist sie unmittelbar verfügbar.

          Skeptiker bezweifeln die ehrlichen Absichten der UCK. Befürchten Sie nicht, dass die Rebellen versuchen werden, die Nato auszutricksen?

          Die UCK hat sich bei den Verhandlungen kooperativ gezeigt, auch wenn sie selber nicht am Verhandlungstisch gesessen hat. Bei der Waffenabgabe zeigt sich, dass die UCK die Zahl der Geräte, die eingesammelt werden soll, sicherlich erfüllen wird.

          Stichwort Minenschutz. Die Sicherheit der deutschen Panzer ist ins Gerede gekommen. Müssen wir Angst um unsere Soldaten haben?

          Wir werden in bestimmte Geländeteile nur hineingehen, wenn das Umfeld sicher ist. Zusätzlich haben wir Kräfte, die Erkundungen unternehmen können, wenn es erforderlich ist.

          Wird aber der Minenschutz von „Leopard“ und „Marder“ ausreichen?

          „Leopard“ und „Marder“ sind zum Waffeneinsammeln nicht erforderlich. Es ist nicht die Absicht, diese Fahrzeuge für den jetzt festgelegten Auftrag zu nutzen. Sie wären aber ein letztes Mittel, das man zum Eigenschutz einsetzen könnte.

          Dennoch hätte die Opposition um ein Haar ihre Zustimmung zu dem Einsatz mit der Begründung verweigert, die Bundeswehr sei für diesen Einsatz nicht ausreichend gerüstet. Ist das Material tatsächlich so schlecht wie sein Ruf?

          Das glaube ich überhaupt nicht. Das Material, das wir haben, ist sehr sehr gut. Natürlich waren der Kampfpanzer „Leopard“ und der Schützenpanzer „Marder“ für völlig andere Einsätze vorgesehen und nicht für ein Umfeld, in dem wir uns jetzt bewegen. Wenn durch die Debatte in Deutschland zusätzliche Mittel für die Streitkräfte zur Verfügung gestellt werden, muss ich als Soldat natürlich sagen, das ist eine sehr gute Sache. Und wenn damit der Schutz erhöht werden kann um so besser.

          Also hat sich der Einsatz der CDU/CSU gelohnt?

          Ich denke, dass im Vorfeld so lange über eine wichtige Sache debattiert wurde, ist gut. Und ich glaube, dass so lange darüber gesprochen worden ist, hat dazu geführt, dass wir eine so breite Zustimmung des Parlaments bekommen haben. Dieser Rückhalt ist für die Soldaten ganz wichtig.

          Hätten Sie sich nicht von Anfang an mehr Unterstützung gewünscht?

          Der politische Streit ist sehr aufmerksam von den Soldaten verfolgt worden, ohne dass es Verunsicherungen gegeben hat. Es ging um eine wichtige Entscheidung, die man sich niemals leicht machen sollte. Ich denke, dabei ist ein gutes Ergebnis erzielt worden.

          Gehen Sie guten Gewissens in den Einsatz?

          Wir gehen durch den Parlamentsbeschluss mit einem großen Rückhalt aus der deutschen Bevölkerung in diese Mission hinein. Es muss unser Bemühen sein, das Beste aus unserem Auftrag zu machen. Das Wichtigste ist, alle Soldaten heil zurückzuführen. Das ist mein Ziel.

          Oberst Ernst-Wilhelm Harder ist seit drei Monaten als stellvertretender Kommandeur des deutschen Kfor-Kontingents in Prizren im Kosovo stationiert. Der Balkan-Einsatz der Bundeswehr ist der erste Auslandseinsatz dieser Art für den 56-Jährigen.

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