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FAZ.NET-Countdown : Ringen um jedes Grad

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Nicola Beer (dahinter Anton Hofreiter), Christian Lindner, Michael Kellner, Kathrin-Göring Eckardt und Wolfgan Kubicki (v.l.n.r.) auf dem Balkon der Parlamentarischen Gesellschaft Bild: dpa

In Bonn wird heute um jedes Grad bei der Erderwärmung gekämpft. Die Sondierer in Berlin wären hingegen froh, wenn sich die Atmosphäre bei den Verhandlungen etwas erwärmen würde. Das internationale Klima vermiesen dürfte die jüngste „Paradise Papers“-Veröffentlichung.

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          Nach den Panama-Papers sind mit den „Paradise-Papers die nächsten, weitreichenden Veröffentlichungen über Steuerschlupflöcher und womöglich brisante Geschäftskontakte hochrangiger Persönlichkeiten auf der ganzen Welt aufgetaucht. Bei den Daten, die das investigative Recherchenetzwerk ICIJ recherchiert hat und über die die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, die dem Netzwerk angehört, handelt es sich um Millionen Dokumente zu Briefkastenfirmen von einer Anwaltskanzlei auf den Bermudas und einer Firma in Singapur. Das gigantische Datenleck ist schon deshalb brisant, weil in ihm die internationale Crème de la Crème auftaucht: die Queen, Vertraute des kanadischen Premierministers Justin Trudeau, bekannte deutsche Namen und Firmen, aber auch amerikanische Unternehmen wie Facebook und Twitter, die Geld aus Russland erhalten haben sollen. 

          Besonders heikel ist aber, dass sich in den Daten auch ein Dutzend Berater und Großspender von Donald Trump wiederfinden – und vor allem sein Handelsminister Wilbur Ross, der als Privatmann von Geschäften mit einer Firma profitiert haben soll, die dem Schwiegersohn von Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehört. Sonderermittler Robert Mueller, der die Russland-Affäre untersucht, dürfte an den Daten größtes Interesse haben. Wird man später einmal davon sprechen, dass die „Paradise Papers“ endgültig den Anfang vom Ende der Ära Trump eingeläutet haben? 

          Das internationale Klima dürften die „Paradise Papers“ jedenfalls nicht unbedingt verbessern – dabei hätte das heute doch eigentlich das Wichtigste sein sollen. In Bonn wollen Delegierte von 197 Staaten auf dem Klimagipfel COP23 einen Fahrplan aushandeln, wie die Klimaziele des Pariser Abkommens doch noch erreicht werden können (nahezu ausgeschlossen). In Tokio müht sich der für klimaverseuchende Äußerungen berüchtigte amerikanische Präsident Donald Trump, sein Handicap, das er am Sonntag schon beim Golfen mit Ministerpräsident Shinzo Abe über den grünen Klee lobte, beim schwierigen Thema Nordkorea zu halten und auch nach der Weiterreise nach Südkorea nicht in die Sandgrube zu setzen (ambitioniert). Und in Berlin will die zweite Sondierungsrunde für die Koalition mit dem besten Klima aller Zeiten (nein, nicht Schwarz-Gelb 2009, sondern Jamaika 2017) endlich konkret werden (kaum vorstellbar). Denn nicht nur die Energiepolitik bringt die Sondierer zur Weißglut, wie mein Kollege Andreas Mihm beschreibt, sondern viele andere Bereiche auch.

          Während man in Bonn um jedes Grad ringt, damit man es bei der Erderwärmung vielleicht noch nach unten schafft, wären die Jamaika-Unterhändler in Berlin schon froh, wenn sich die Atmosphäre in der Parlamentarischen Gesellschaft um ein Viertelgrad erwärmen würde – bei den fast acht Grad, die der Weltklimarat in seinem jüngsten Bericht bis zum Ende des Jahrhunderts schlimmstenfalls befürchtet, würden Katrin Göring-Eckardt und Christian Lindner sicher schon eng umschlungen Pogo auf dem Verhandlungstisch tanzen. 

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