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FAZ.NET-Countdown : Trumps Korrektiv geht

Sucht das Weite: Gary Cohn Bild: AFP

Nordkorea tickt trotz neuer Groko in Berlin doch noch völlig anders als Deutschland. Und in Amerika sucht ein weiterer hoher Berater Trumps das Weite.

          Unverhofft kommt oft, das gilt in den Vereinigten Staaten unter dem Präsidenten Donald Trump genauso wie in Nordkorea. Wenn Europa schlafen geht, wird es in Washington erst richtig spannend. Nun blieb es Insidern immer ein Geheimnis, warum Gary Cohn, eine ehemalige Führungskraft der ehrenwerten Investmentbank Goldman Sachs, meinte, er sei als Wirtschaftsberater in Trumps Regierung gut aufgehoben. Aber vielleicht war es auch einen Versuch wert. Wie auch immer. Inmitten der kontroversen Debatte über amerikanische Strafzölle auf ausländischen Stahl und Aluminium verlässt Cohn nun das Weiße Haus. Es sei ihm eine Ehre gewesen, seinem Land zu dienen, ließ er ausrichten. Es ist schade, dass er geht. Denn der 57 Jahre alte Cohn hatte Trumps nationalistischer Wirtschaftspolitik unter dem Motto „America First“ das Attribut „but not alone“ („aber nicht alleine“) hinzugefügt. Rationaler wird Trumps Politik künftig eher nicht. Gut, dass wir Korrespondenten in Washington haben, die uns die Lage im Laufe des Tages erklären können.

          Und wer wissen will, wie man die Nachrichten deuten soll, die das Regime in Nordkorea produziert, muss die Texte von Peter Sturm lesen. Der Redakteur unserer politischen Redaktion ist ein Kenner Asiens, und in Sachen Kim & Co. macht ihm niemand etwas vor. Er schreibt in seinem Kommentar auf der ersten Seite unserer Zeitung: „Nordkorea, heißt es, sei möglicherweise zu einer Aufgabe seines Atomwaffenprogramms bereit. Voraussetzung dafür sei eine Sicherheitsgarantie für das Regime.“ Soweit die Meldung, die jeder kennt. Das Entscheidende aber folgt sogleich: „Solange diese Botschaft nicht auch über die Staatsmedien des Nordens verbreitet worden ist, bedeuten die Verlautbarungen aus Seoul gar nichts. Denn erstens ist nicht bekannt, was genau Kim Jong-un unter ,Sicherheitsgarantie’ versteht. Und zweitens hat es Nordkorea noch immer verstanden, bei Verhandlungen in letzter Minute neue Bedingungen aus dem Hut zu zaubern.“ Weiter lesen lohnt sich, um zu erfahren, was das alles mit erprobten Schmuggelrouten und dem politischen Überleben des Diktators in schwerer wirtschaftlicher Lage zu tun hat.

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          Da geht es Deutschland besser, auch wenn viele jetzt darauf schimpfen, dass es wieder eine große Koalition geben wird, dass die Kanzlerin wieder Angela Merkel heißt, dass die CSU nur Männer zu wahren Ministern macht, und dass auch bei uns längst alles so gleichgeschaltet ist wie in, na gut, sagen wir Nordkorea. Ratsam wäre es, die Kirche im Dorf zu lassen, weil berechtigte Kritik immer dann besser wirkt, wenn sie nicht überzogen ist.

          Was deshalb sonst noch wichtig wird

          Von nordkoreanischen Verhältnissen kann in Deutschland sowieso keine Rede sein. Hier wird der lebhafte Diskurs praktiziert. Das weiß jeder, der die F.A.Z. und ihre Kommentare aufmerksam liest, was nicht zuletzt für diejenigen des Brüsseler Wirtschaftskorrespondenten Werner Mußler gilt, der die EU, die Zukunft ihrer Finanzen und Deutschlands Rolle im europäischen Spiel stets konstruktiv-kritisch begleitet. Mußler schreibt heute, dass acht Staaten  aus dem Norden der EU vor einer Transferunion warnen:  „An weitere Kompetenzübertragungen auf die europäische Ebene darf nur dort gedacht werden, wo ein wirklicher Mehrwert gesichert ist“, heißt es in einem am Dienstag bekanntgewordenen gemeinsamen Papier der Finanzminister der Niederlande, Irlands, Dänemarks, Schwedens und Finnlands sowie der drei baltischen Staaten.

          Die EU müsse sich auf das konzentrieren, was in allen Ländern auf Zustimmung stoße. „Am Ende müssen wir einen Konsens darüber finden, was wir unbedingt brauchen, nicht darüber, was einige gerne hätten“, heißt es in dem Papier. Wie wahr. Wer eine erheblich ausführliche Meinung dazu lesen möchte, finden sie im Blatt ebenfalls – und zwar von Herausgeber Holger Steltzner.

          So wird es Zeit für die gute Nachricht des Tages

          Denn jetzt wissen wir endlich, warum in Deutschland seit einiger Zeit die Uhren nachgehen, jedenfalls die in der Küche. Auch die sind eindeutig nicht (mehr) gleichgeschaltet - und laufen vielleicht sogar unzuverlässiger als die in Nordkorea. Fünf bis sechs Minuten flimmern die Uhren in Backöfen und Mikrowellen inzwischen der tatsächlichen Zeit hinterher, wenn sie nicht permanent nachgestellt werden. Und voraussichtlich wird die Lücke noch größer werden. Viele der Uhren verfügen weder über eigene interne Taktgeber, noch werden sie über Funk gestellt. Sie erhalten die nötigen Impulse aus dem Stromnetz. Und da geht es um Schwingungen, die in Hertz gemessen werden. Neugierig geworden? Lesen Sie gerne hier weiter. Wenn Sie deshalb zu spät zur Arbeit kommen, schieben Sie es einfach auf die F.A.Z. – oder Ihre Uhr am Herd.

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          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

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