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FAZ.NET-Countdown : Heute ein Zwerg, morgen SPD-Riese

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Mal Zwerg, mal Riese: Heiko Maas und Sigmar Gabriel Bild: dpa

Ein Außenminister aus dem Saarland, eine Bundesfamilienministerin aus Neukölln: Mit der Vorstellung der SPD-Minister neigt sich eine Ära dem Ende zu. Für Sigmar Gabriel hat vielleicht die Deutsche Bahn noch ein Plätzchen frei.

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          Es gab Zeiten, da kam die bundesdeutsche Politikprominenz fast ausschließlich aus Niedersachsen. Mit dem nun scheidenden Außenminister Sigmar Gabriel scheint diese Ära allmählich zu Ende zu gehen. Stattdessen schickt sich nun das Saarland an, Berlin zu erobern. Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Generalsekretärin, Peter Altmaier als Wirtschaftsminister und nun angeblich Heiko Maas als Außenminister. Der kleingewachsene Sozialdemokrat, der drei Landtagswahlen verloren hat, gibt dem neuen SPD-Credo ein Gesicht: heute ein Zwerg, morgen Riese. So groß ist Maas inzwischen, dass das Saarland zu klein für ihn geworden ist. Den SPD-Landesvorsitz gibt er an die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger ab. Sie soll auf einem Parteitag, der heute beginnt, gewählt werden.

          Neben dem Saarland wächst ein zweiter Ort weit über seine tatsächliche Bedeutung hinaus: Neukölln. Der einstige Bürgermeister des Problembezirks, Heinz Buschkowsky, dürfte nach wie vor bekannter sein als der aktuelle Regierende Bürgermeister von Berlin. Und nun wird seine Nachfolgerin im Amt, Franziska Giffey, auch noch als neue Bundesfamilienministerin „gehandelt“, was ein unschönes Wort ist, besonders in zeitlicher Nähe zum Internationalen Frauentag und angesichts eines drohenden Handelskriegs mit den Vereinigten Staaten. Der amerikanische Präsident Donald Trump will Deutschland offenbar dazu zwingen, mehr Geld fürs Militär auszugeben. Die Deutschen, so ist seine in der Nacht zu heute dekretierte Entscheidung wohl zu verstehen, sollen ihren Stahl gefälligst in die eigene Rüstung stecken – oder sich sonst wo hin. 

          Und was wird jetzt aus Gabriel? Wie sagte sein alter Kumpel, der Bauarbeitersohn Horst Seehofer, am Donnerstag bei seiner letzten Rede als bayerischer Ministerpräsident: Das Leben ist eine Baustelle. Und wenn einer Erfahrung hat mit aufbauen und wieder einreißen, dann ja wohl der Mann aus Goslar. Im Übrigen hatte er einst seinen Wechsel ins Auswärtige Amt mit der interessanten Begründung versehen, er wolle mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Die hat er jetzt definitiv. Und wenn es ihn doch wieder jucken sollte, vielleicht hat ja die Deutsche Bahn noch ein Plätzchen für ihn frei. Wie die Kollegin Kerstin Schwenn in der heutigen F.A.Z. berichtet, ist die Groko jedenfalls nach Kräften bemüht, im Bahn-Aufsichtsrat das Ruder zu übernehmen. 

          Was sonst noch wichtig wird

          Mit der für heute geplanten Vorstellung der Bundesminister geht für die SPD eine Zeit zu Ende, die nicht nur für sie quälend war. Markus Söder, der, wie nun klar ist, am nächsten Freitag zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt wird, sprach im Zusammenhang mit dem Betrachten des jüngsten SPD-Parteitags gar von „Masochismus“. Trotz allem sollten wir uns glücklich schätzen, die SPD zu haben. Wie wunderbar ist doch ein SPD-Parteitag, wenn man ihn mit dem Nationalen Volkskongress in China vergleicht, den Friederike Böge für die F.A.Z. beobachtet? Und wie unschuldig das angebliche Zitat von Sigmar Gabriels Tochter – „Papa, jetzt hast du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht.“ – im Vergleich zu den rassistischen Beleidigungen, die der AfD-Politiker André Poggenburg vom Stapel gelassen hat und die nun, wie die Kollegen Reinhard Bingener und Justus Bender berichten, mit zu seinem erzwungenen Rückzug geführt haben. 

          Aber Sprache kann eben auch ganz wunderbar sein. Als kleines Beispiel sei Ihnen eine Überschrift und der dazugehörige Text aus dem heutigen Feuilleton an Herz gelegt: „Liebe in Zeiten der Kohl-Ära“. Die gab es, ja. 

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

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