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FAZ.NET-Countdown : Gedisster Diesel

Leeres Rohr: Dem Diesel geht es schlecht. Bild: AFP

Der Diesel ein Auslaufmodell? Wahrscheinlich ja. Sicher ist nur: Der Winterfrost ist angezählt für dieses Jahr.

          2 Min.

          Dass der Diesel schwere Zeiten durchlebt, ist seit Monaten klar. Mit dem gestrigen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts allerdings rücken Fahrverbote für ältere Modelle, die nicht der Abgasnorm 6 entsprechen, in greifbare Nähe. Hamburg prescht vor und kündigt erste Straßensperrungen für April an, andere betroffene Städte wie Stuttgart wollen noch prüfen und abwägen und zuwarten, dann aber bald nachziehen. Ziemlich wahrscheinlich ist spätestens seit gestern: Dieselfahren ist ein bisschen wie lineares Fernsehgucken und inhabergeführte Kleinbäckereien. Ein Auslaufmodell.

          Von drohenden Diesel-Fahrverboten sind nach einer Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft E&Y mehr als zehn Millionen Autobesitzer in Deutschland betroffen. Hinzukommen Nutzfahrzeuge. Fahrer von Euro-6-Dieseln, wie der Autor dieser Zeilen, sind ja erst einmal fein heraus, mögliche Fahrverbote gelten für sie nicht. Aber wer glaubt schon, dass es dabei bleibt? In Sachen Imageschaden des Dieselmotors differenziert der Markt nur sehr bedingt zwischen Abgasnorm 5 und 6, auch ein anscheinend sauberer Diesel dürfte es künftig schwer haben beim Wiederverkauf.

          Die Debatte um den Diesel ist auch deshalb spannend, weil sich einmal mehr aus einer „trivialen Frage“, wie Rüdiger Soldt feststellt, ein „absurder Weltanschauungskrieg“ entwickelt habe. Längst gehe es nicht mehr um Fahrverbote, sondern um die Zukunft des Autos schlechthin. Auch der Benziner sei letztlich angezählt, so Holger Appel in seinem Kommentar. Ob es soweit kommt? Die Fahrverbote sollen ja nur ein letztes Mittel sein. Sollen. Jetzt müssen Kommunen, Länder und Bund sowie die Hersteller liefern, um sie zu verhindern.

          Was sonst noch wichtig wird

          Die EU-Kommission will heute den Entwurf eines EU-Austrittsvertrags mit Großbritannien vorlegen, die juristische Umsetzung der Vereinbarung zwischen London und Brüssel vom Dezember. Schon vorher herrscht mal wieder dicke Luft zwischen Brüssel und London.

          Das Groko-Votum ist auf der Zielgeraden: Noch bis Freitag können die SPD-Mitglieder über die Regierungsbeteiligung abstimmen, das Ergebnis soll am Sonntag verkündet werden.

          Die Fraktionen im Bundestag informieren über den Ausschuss, der von Donnerstag an die Vorgänge und Ungereimtheiten rund um dem Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2017 aufarbeiten soll.

          Weg von Europa

          Brisanter Verdacht: Nordkorea soll nach einem Bericht der „New York Times“ Teile nach Syrien geliefert haben, die für den Bau von Chemiewaffen genutzt werden könnten. Das berichten Fachleute, die die Einhaltung der Sanktionen überwachen.

          China lässt es sich einiges kosten, seine muslimische Bevölkerung zu überwachen und in etlichen Fällen zu kasernieren. Alles im Namen angeblicher Terrorbekämpfung, wie die Organisation Human Rights Watch zusammengetragen hat.

          Zu guter Letzt

          Falls Sie das Haus verlassen, ziehen Sie sich warm an! Es wird nochmal kalt, richtig kalt. Und das nicht nur auf der Zugspitze oder dem Brocken. Die Nacht von heute auf morgen könnte eine der frostigsten des generell allerdings ziemlich milden Winters werden. Von Donnerstag an wird es langsam wärmer – und nasser. Genießen Sie die Winterlandschaft, bevor Sie wieder ins Freibad müssen. Und alle über die Hitze klagen.

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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