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FAZ.NET-Countdown : Es ist zum Weinen

  • -Aktualisiert am

Donald Trump erwägt, den mutmaßlichen Attentäter ins Gefangenenlager nach Guantánamo zu schicken und will die Visa-Vergabe verschärfen. Bild: Reuters

Wie sollen Journalisten mit Terroristen umgehen? Sollte man ihren Namen nennen, ihr Foto zeigen? Oder sollte man ihnen keine Bühne geben?

          Wieder hat ein Terroranschlag Amerika erschüttert, und während die Hintergründe der schrecklichen Tat noch ermittelt werden, beschäftigt viele Journalisten weltweit wieder eine Frage: Wie soll man mit Terroristen wie dem von New York umgehen? Soll man ihren Namen nennen, ihr Foto zeigen, dem Bedürfnis vieler Leser nach möglichst vielen Informationen über die Urheber solch furchtbarer Verbrechen nachgeben? Oder erfüllt man damit nicht gerade die selbstmörderische Mission der Attentäter, die vor allem eines wollen: größtmögliche Öffentlichkeit für ihre kranken Taten und damit die Chance, sich bei ihren Mitstreitern als Märtyrer zu präsentieren?

          Als 2016 ein Lastwagen auf der Uferpromenade von Nizza in eine Menschenmenge raste und etliche Menschen tötete, ein ähnlich perfides Attentat wie jetzt in New York, entschieden einige französische Medien danach, künftig keine Bilder und teilweise auch keine Namen von Terroristen mehr zu veröffentlichen. „Das bringt nichts, abgesehen von der Berühmtheit im Jenseits für die Autoren der Massaker“, schrieb ein Schüler in einer Petition, die weithin Beachtung fand. Sicher, die Öffentlichkeit hat auch ein Recht auf Informationen zu den Tätern - trotzdem ist die Initiative aus Frankreich allemal eine Überlegung wert. Auch wenn Kritiker einwenden werden, dass die verschleierte Identität der Attentäter bei ihresgleichen dann umso mehr der Legendenbildung dienen könnte - und Terroristen im Zeitalter von sozialen Netzwerken längst auch auf anderen Wegen zweifelhafte „Berühmtheit“ wegen ihrer menschenverachtenden Taten erlangen können als über die klassischen Medien.  

          Ungeachtet dieser Grundsatzdebatte wird die Suche nach den Hintergründen der Tat in Manhattan auch heute weitergehen - und damit auch die Diskussion über die nötigen politischen Konsequenzen. Donald Trump erwägt, den mutmaßlichen Attentäter ins Gefangenenlager nach Guantánamo zu schicken und will die Visa-Vergabe verschärfen - doch ob damit Täter gestoppt würden, die sich wie in New York offenbar erst in Amerika radikalisiert haben, scheint zweifelhaft. „Schärfere Einreisebestimmungen ändern nichts“, glaubt jedenfalls auch der Chicagoer Politikwissenschaftler Robert Pape im FAZ.NET-Interview.

          Was sonst noch wichtig wird

          Für eine kurze Zeit, so zynisch das klingt, verschafft der Anschlag von New York Donald Trump aber auch wieder Luft, weil sie von der Russland-Affäre ablenkt, die immer engere konzentrische Kreise um ihn zieht. Nach der Anklage seines früheren Wahlkampfchefs Paul Manafort und dessen Mitarbeiter Rick Gates wird die Luft für den Präsidenten immer dünner. Die jüngsten Berichte, dass Trump ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Wahlkampf zumindest nicht kategorisch ausgeschlossen hat, erhöhen diesen Druck noch einmal. Stürzt Trump am Ende doch noch über seine Nähe zu Russland?

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          Angesichts der aktuellen Geschehnisse in Amerika werden die kraftlosen Jamaika-Sondierungen, die heute in Berlin ohne die strittigen Knackpunkte Migration und Klimapolitik fortgeführt werden, fast zu einer lästigen Nebensache degradiert. Denn dass Jamaika genau das ist, eine lästige Pflichtübung und keine reine Herzensangelegenheit, daran lassen alle Beteiligten kaum einen Zweifel. Den Sondierern sei aber versichert, dass es für die Wähler mindestens genauso lästig ist, dieser Schicksalgemeinschaft, die nicht miteinander will, aber eigentlich nicht ohne einander kann, wenn nicht Neuwahlen kommen sollen, beim endlosen Verhandeln in Trippelschritten zusehen zu müssen. Unser Berliner Korrespondent Johannes Leithäuser leidet mit, wie sein Text in der heutigen F.A.Z. beweist.

          Zum Weinen ist aber auch das Verhalten des abgesetzten katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont, der lieber noch eine Weile in Brüssel bleiben und nicht nach Hause zu seinem Volk zurückkehren will, das er mit seinem Versprechen einer blühenden separatistischen Zukunft verführt hat. Eigentlich soll Puigdemont heute vor dem Staatsgerichtshof in Madrid aussagen- weil er das wohl nicht tun wird, droht ihm ein (europäischer) Haftbefehl. Und mit dem wird es dann spannend, wenn Spanien von Belgien offiziell die Auslieferung von Puigdemont fordern sollte. Meine Kollegin Hans-Christian Rößler und Michael Stabenow berichten aus Madrid und Brüssel über die Hintergründe.

          Was man lesen muss

          Unser Stuttgarter Korrespondent Rüdiger Soldt beschreibt in der heutigen F.A.Z., wie Baden-Württemberg über die Gemeinschaftsschule streitet - ein sehr lesenswerter Text nicht nur für Eltern, die sich ja ständig die Frage stellen, was das Beste für ihre Kinder ist.

          Auf der Seite Zeitgeschehen widmen sich gleich zwei Texte der ersten Balfour-Deklaration vor 100 Jahren, mit der Großbritannien dem jüdischen Volk eine Heimstätte in Palästina zusicherte - ein Versprechen, das zwar zu einem Staat Israel führte, nicht aber zu einem Staat für die Palästinenser.

          Und Christiane Heil berichtet aus Los Angeles über die Missbrauchsvorwürfe gegen die Hollywood-Stars Kevin Spacey und Dustin Hoffman, die derzeit eine Branche erschüttern, die diese Erschütterung schon lange hätte zeigen sollen. Das belegt auch der Titel ihres Textes: „Viele hatten Angst, ihn zu stoppen.“

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