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FAZ.NET-Countdown : Es gibt uns noch

So sehen Fliegerbomben (Foto: in Dippoldiswalde) rund 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus. Bild: dpa

Was den Kampfmittelräumern zu verdanken ist, konnten die F.A.Z.-Mitarbeiter gestern am eigenen Leib bei einer Bombenentschärfung erfahren. Die Redaktion ist wieder handlungsfähig – und das soll Europa in der Flüchtlingskrise auch werden.

          Wenn Sie diesen Text lesen können, dann ist das zunächst einmal ein gutes Zeichen. Denn dann gibt es uns noch. Geht es Deutschlands bester Tageszeitung so schlecht? Überhaupt nicht! Aber am Mittwochabend wurde eine Fliegerbombe im Gallusviertel entschärft, dem Stadtteil Frankfurts, in dem das Gros unserer Redakteure arbeitet. Die Bombe wurde gestern eine halbe Stunde vor Mitternacht entschärft. In der Regel gehen solche Einsätze gut, auch wenn die Risiken angesichts des hohen Alters der Weltkriegs-Sprengkörper immer größer werden. Das ist vor allem den Kampfmittelräumern zu verdanken. Erfahrenen Experten, die immer wieder ihr Leben für uns alle aufs Spiel setzen, die aber bei den üblichen Sonntagsreden aus dem Raster fallen. Darum, an dieser Stelle einmal, ein ganz herzliches Dankeschön für ihren Einsatz. Und für alle, die mehr wissen wollen –  finden Sie hier alles Wissenswerte über die Entschärfung.

          In Berlin, so viel ist sicher, werden sich die Uhren in jedem Fall weiterdrehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gab in ihrer Regierungserklärung am Donnerstag noch einmal zu erkennen, dass der im Koalitionsvertrag mit der SPD vereinbarte Aufbruch für Europa mitnichten nur ein Zugeständnis an Martin Schulz war. Der Fall des ehemaligen SPD-Parteivorsitzenden ändert für sie offenbar nichts. Handlungsfähig will sie den Kontinent sehen, solidarisch und selbstbewusst. Das ist angesichts der zahlreichen Probleme der EU leichter gesagt als getan. Erinnern wir uns an ein paar „Höhepunkte“ der vergangenen Jahre: Bankenkrise, Euro-Krise, Griechenlandkrise, Flüchtlingskrise, der Aufstieg nationalistischer Parteien und schließlich noch der Brexit. Dennoch kann sich die Kanzlerin des Rückhalts einer Mehrheit der Deutschen offenbar sicher sein. Zwar klagen die Bürgerinnen und Bürger immer wieder mal über Brüssels Einfluss. Doch der von Union und SPD angestrebte Aufbruch für Europa stößt offenbar dennoch auf breite Zustimmung. Laut der jüngsten Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag dieser Redaktion sind etwa 71 Prozent aller Befragten dafür, die Flüchtlingspolitik europäisch zu regeln. Eine umfassende Analyse der Umfrageergebnisse von Thomas Petersen lesen Sie in der Freitagsausgabe der F.A.Z.     

          Was sonst noch wichtig wird

          Die Staats- und Regierungschefs der EU kommen am Freitag zu einem informellen Treffen in Brüssel zusammen. Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Verteilung der EU-Haushaltsmittel von der Bereitschaft der jeweiligen Regierung zur Aufnahme von Flüchtlingen abhängig machen. Die EU-Finanzen dürften generell einigen Raum einnehmen, auch wenn mein Wirtschaftskollege Hendrik Kafsack in seinem Kommentar schreibt, dass die EU-Kommission kein Interesse an einer Debatte über Sinn und Unsinn der Ausgaben hat. Auch um die Beibehaltung des Modells von Spitzenkandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten bei den Europawahlen 2019 und grenzüberschreitende Listen für die derzeit 751 EU-Parlamentssitze dürfte gestritten werden.

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          Während ihre frisch eingetretenen und langjährigen Parteimitglieder fleißig über die Groko abstimmen, diskutiert die SPD weiter über Sinn und Unsinn einer abermaligen Regierungsbeteiligung. Der Groko-Chef-Gegner und Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert wird erst in München und dann in Mannheim auftreten. Außenminister Sigmar Gabriel wirbt derweil in Goslar für eine Neuauflage. Für ihn ist das quasi ein Heimspiel. Die Werbetouren der Gegner und Befürworter werden noch eine Weile weitergehen. Schließlich kann noch bis zum 2. März abgestimmt werden. Ob es zum Grokxit kommt, soll am 4. März verkündet werden.

          Lesetipp

          Islam ist elf Jahre alt. Sein Vater ist tot, gefallen in der Schlacht um die libysche Stadt Sirte. Er kämpfte für den „Islamischen Staat.“ Nun lebt Islam in einem Heim, zusammen mit zwei Dutzend weiteren Kriegswaisen. Mein Kollegen Christoph Erhardt und Daniel Pilar haben die Kinder besucht. Sie müssen nun für etwas büßen müssen, was sie nicht verstehen können. Ihre Geschichte lesen Sie in der neuen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Woche.

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