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FAZ.NET-Countdown : Lasst uns übers Wetter reden!

Kampf gegen eine Naturgewalt: Ein Mann in Puerto Rico, das den Sturm erwartet. Bild: Reuters

Die Deutschen haben ihre Leidenschaft für Politik entdeckt – auch wenn im Wahlkampf wenig überrascht. Zum Glück gibt es das Wetter. Und den Fußball. Was sonst heute wichtig wird, lesen Sie im FAZ.NET-Newsletter.

          3 Min.

          Der Wahlkampf ist langweilig, ist derzeit überall zu lesen. Kennen wir doch alles schon, ist zu hören. Merkel liegt unangefochten vorne, ein sozialdemokratischer Mann arbeitet sich mehr oder weniger erfolgreich an ihr ab und die große Unbekannte ist die Zahl der Sitze, mit der die AfD in den Bundestag einziehen wird. So weit, so gut, so 2013. Wer allerdings glaubt, Deutschland versinke deswegen im politischen Dämmerschlaf, der irrt. Das Meinungsforschungsinstitut Allensbach hat herausgefunden, dass die Bürger wesentlich mehr über Politik diskutieren als vor vier Jahren. Für die Parteien ist das eine gute Nachricht: Denn schlimmer als Fremd-Wähler sind eigentlich nur Nicht-Wähler. Lesen Sie hier die umfangreiche Analyse.

          Tatjana Heid
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.

          Übrigens: Laut Allensbach ist das Gesprächsthema Nummer Eins der Deutschen das Wetter. Das dürfte auch heute so bleiben. Gestern hat der stärkste in dieser Region jemals gemessene Hurrikan „Irma“ die Karibik-Insel Barbuda schwer verwüstet, die Region meldet erste Todesopfer. Schon übermorgen könnte der Hurrikan auf Florida treffen, vier amerikanische Bundesstaaten haben bereits den Notstand ausgerufen. Damit wären die Vereinigten Staaten zum zweiten Mal binnen zweier Wochen von Extremwetter betroffen. Die naheliegende Frage, ob die ungewöhnlich starke Hurrikan-Saison mit dem Klimawandel zusammenhängt, hat mein Kollegen Joachim Müller-Jung beantwortet. Er kommt zu dem Schluss, dass die Erwärmung der Ozeane zwar nicht mehr Stürme hervorrufen wird – dafür aber stärkere. Womit das Wetter auch politisch wäre. Denn der Klimawandel kommt derzeit zu kurz. Nicht nur im Land des umweltignoranten Trump, sondern auch in Deutschland – wo vorrangig über den nasskalten Herbstanfang gejammert wird und der Wahlkampf das Thema weitestgehend ignoriert.

          In die Kategorie Sturm in der Gartenlaube fällt der gestrige Auftritt Erika Steinbachs. Die Ex-CDU-Abgeordnete und Twitter-Skandalnudel traf sich mit den AfD-Spitzen im baden-württembergischen Pforzheim zum gemeinsamen Wahlkämpfen. Sie werde allerdings vorerst nicht der AfD beitreten, ließ Steinbach wissen. Nach 40 Jahren CDU brauche sie eine Atempause. Für Steinbach-Verhältnisse war es also eine recht zahme Angelegenheit. Interessanter als parteilose Abgeordnete a.D. sind ohnehin die Abgeordneten, die für die AfD in den Bundestag einziehen könnten – und somit Zusammensetzung, Diskussionskultur und Atmosphäre im Parlament entscheidend verändern werden. Mein Kollege Markus Wehner hat sich einige von ihnen angeschaut. Titel seines Textes: Die Kinder von der Krawallmacherstraße.

          Was sonst noch wichtig wird

          Martin Schulz ist in Hessen unterwegs. Um 15 Uhr spricht er auf dem Marktplatz in Marburg. Die SPD wirbt dafür mit freiem Eintritt und Kinderfreundlichkeit. Hoffen wir, dass das Wetter hält.

          In Tallinn diskutieren die EU-Außenminister bei einem informellen Treffen über den neuerlichen nordkoreanischen Atomtest. In der Nacht haben die Vereinigten Staaten ein Öl-Embargo gegen das kommunistische Regime ins Spiel gebracht. Der UN-Sicherheitsrat wird voraussichtlich am Montag darüber entscheiden.

          In Luxemburg fällt das Urteil im Fall einer Berliner Beamtin, die ihre Probezeit wegen Schwangerschaft und Elternzeit nicht antreten konnte und bei ihrer Rückkehr die versprochene Leitungsfunktion anderweitig vergeben vorfand. Ist das richtig? Als Frau sagt man instinktiv Nein. Ob es jedoch nach EU-Recht zulässig ist, das entscheidet der Europäische Gerichtshof heute Vormittag.

          Zudem soll heute der wahrscheinlich absurdeste juristische Streit des Jahres zu einem (vorläufigen) Abschluss kommen. Ein Hobbytrödler wollte unbedingt Apfelkönig von Guben werden. Er scheiterte und zog vor das Amtsgericht Cottbus. Weil es so schön ist: Hier können Sie die Posse noch einmal nachlesen.

          Beim „International Frankfurt Football Summit“ vom Frankfurter Allgemeine Forum kommen heute Promis aus der Fußballwelt zusammen und diskutieren das Wachstumspotenzial der Bundesliga in China, die soziale Verantwortung des Sports und die Frage, warum wir den Fußball lieben und brauchen. Mit dabei: Karl-Heinz Rummenigge, Reinhard Grindel, Thomas Hitzlsperger. Und FAZ.NET.

          Falls Sie heute Abend noch nichts vor haben…

          …machen Sie doch den Wahl-o-Mat einmal zusammen mit Ihrer gesamten Familie statt alleine am Handy. Man lernt seine Lieben völlig neu kennen. Die Ergebnisse des Selbstversuchs: eine heftige Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr im Inland, schockierende Erkenntnisse („Du willst die Frauenquote ABSCHAFFEN?“), eine Fast-Trennung und die Erklärung, warum die CDU bei rund 40 Prozent liegt. Denn wenn man alle strittigen Fragen mit „neutral“ beantwortet, landet man unweigerlich in der Mitte.

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