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Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Wahlkampfveranstaltung in Neustadt an der Weinstraße am Donnerstag Bild: dpa

FAZ.NET-Countdown : Die Ängste der Deutschen

Die Bundeskanzlerin wagt sich in ihren eigenen Wahlkreis. Und die Menschen in Florida wappnen sich für den großen Sturm. Was sonst heute wichtig wird, lesen Sie im FAZ.NET-Newsletter.

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          Glaubt man der neuesten Umfrage „Die Ängste der Deutschen“, dann sehen wir Deutsche die Dinge etwas entspannter als noch im Vorjahr: Die legendäre German Angst nimmt demnach ab, nur die Angst vor Naturkatastrophen ist leicht gestiegen und die Sorge vor verunreinigten Nahrungsmitteln. Kein Wunder, nach „Harvey“, jetzt „Irma“ und Fipronil. Dass der Deutsche an sich allerdings vor lauter optimistischer Lebensfreude permanent Luftsprünge unternimmt, lässt sich auch nicht schlussfolgern: 71 Prozent der Befragten fürchten sich vor Terrorismus, 62 Prozent vor politischem Extremismus und 61 Prozent vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern. Alles Hinweise, warum sich der Wahlkampf um Sicherheit, Identität und Leitkultur dreht, und nicht gerade um Infrastruktur, soziale Gerechtigkeit oder Digitalisierung. Das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz lässt grüßen!

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der SPD-Herausforderer tut sich mit seinen Themen schwer, die Bundeskanzlerin muss nicht viel anstellen, um Schulz auf Distanz zu halten. Allerdings: Im Osten ist der Wahlkampf auch für Merkel kein Spaziergang. Buhrufe, Gegendemonstranten, Tomaten als Wurfgeschosse - drastische Erfahrungen für die Kanzlerin. Und es könnte weitergehen: Heute reist sie in ihre Heimat nach Mecklenburg-Vorpommern zu einer Wahlkampftour in ihren Wahlkreis. Rechte Gegendemonstranten aus dem AfD- und NPD-Milieu haben sich angekündigt. Längst ist die Gegend, in der die AfD bei der letzten Landtagswahl zwischen 25 und 35 Prozent der Zweitstimmen sowie mehrere Direktmandate hat einheimsen können, kein Heimspiel mehr für die Kanzlerin.

          Solche Wahlkampfthemen wirken allerdings banal im Vergleich zu dem, was die Menschen in der Karibik und möglicherweise am Wochenende in Florida erwartet. Der Hurrikan „Irma“, der derzeit wie eine Tod und Zerstörung bringende Walze durch die Karibik pflügt, könnte nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis zu 37 Millionen Menschen betreffen. Die ersten Toten hat es bereits gegeben. Puerto Rico ist glücklicherweise halbwegs glimpflich davongekommen. Heute trifft der Sturm auf die Dominikanische Republik, der amerikanische Bundesstaat Florida bereitet sich auf die Katastrophe vor. Nicht vergessen sollten wir die Gebiete, die weniger im Zentrum der Weltpolitik stehen, die kleinen Inselstaaten, die ohnehin am meisten unter dem Klimawandel leiden. Ist es zynisch, jetzt die menschliche Verantwortung für solche Katastrophen zu beleuchten? Das fragt mein Kollege Joachim Müller-Jung in der heutigen F.A.Z.

          Was sonst noch wichtig ist

          Wenn Merkels Besuch im eigenen Wahlkreis schon alles andere als ein Selbstläufer ist, als was muss man dann den Besuch deutscher Abgeordneter auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Konya bezeichnen? Politikum? Posse? Vielleicht eine Mischung aus beidem: Die für Anfang Juli geplante Stippvisite bei Bundeswehrsoldaten im türkischen Incirlik war von der türkischen Regierung blockiert worden. Die Nato hat daraufhin einen hübschen Ausweg gefunden und den jetzigen Besuch in Konya ermöglicht. Ob das die Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei löst? Wohl kaum, zumal die Palette an Kontroversen eher größer wird, wie das Gezerre um die Staatsangehörigkeiten der inhaftierten Urlauber zeigt. Ja, was denn nun, sind das Deutsche, Türken oder beides? Meine Kollegen Michael Martens und Johannes Leithäuser mit einer Erklärung.

          Apropos schwierige Verhältnisse: Rhetorisch können ja weder Donald Trump noch Kim Jong-un einen drauflegen. Viel spannender ist deshalb, ob sich Nordkoreas bisherige Schutzmacht China bewegt. Präsident Xi Jinping zeigt sich jedenfalls gesprächsbereit, den Druck auf den kleinen Nachbarn zu erhöhen. Ob ein Öl-Embargo, der Wunsch der Amerikaner, dazu gehört? Und wie reagiert Moskau?

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet heute das Bürgerfest im Schloss Bellevue. Am Samstag können Sie getrost zuhause bleiben, wenn Sie nicht zu den rund 4000 Leuten gehören, die wegen ihres bürgerschaftlichen Engagements eine persönliche Einladung bekommen haben. Am Sonntag ist dann Tag des offenen Tores, jeder darf kommen.

          Meine Leseempfehlungen

          Nur wenige Tage vor der Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) spricht der grüne Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann, mit dem Kollegen Jasper von Altenbockum und der Kollegin Mona Jaeger über die Diesel-Debatte, die ihm etwas zu sehr „hyperventiliert“ erscheint. Ein Lehrstück, wie ein grüner Politiker die berühmte politische Mitte umgarnt. Kretschmann ist so, wie Boris Palmer sein möchte. Hier ist das vollständige Interview nachzulesen.

          Und dann lohnt ein Blick in den britischen Economist. Die Kollegen raten den Deutschen zur Wiederwahl von Angela Merkel, allerdings in einer Jamaika-Koalition mit den Grünen und der FDP, damit die Kanzlerin liegengebliebene Reformen anpacke. Seine ganz eigene Wahlempfehlung liefert F.A.Z.-Feuilleton-Herausgeber Jürgen Kaube.

          Zu guter Letzt…

          …ein kleiner Hinweis für alle, die künftig Koalitionen schmieden: Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat klargestellt, dass, wer sich freiwillig auf einen Paartanz einlässt, für die Folgen eines Unfalls nicht den Tanzpartner haftbar machen kann.

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