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Abschluss der Familiensynode : Alle Fragen offen

  • -Aktualisiert am

Zum Ende der Familiensynode im Vatikan versammelten sich die Bischöfe noch einmal zu einer abschließenden Messe Bild: AFP

Der Abschlussbericht der Familiensynode im Vatikan entzieht sich einer klaren Haltung in strittigen Fragen: Die Stellung der Kirche gegenüber homosexuellen Partnerschaften und wiederverheirateten Geschiedenen bleibt offen.

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          Zum Ende der Synode am Samstag gab es fünf Minuten Applaus für Papst Franziskus. In seiner Schlussbotschaft verpflichtete er die Bischöfe – wie er sagte – auf den „gemeinsamen Weg der Kollegialität“, auf die Einheit der Kirche und auf seine päpstliche Führungsrolle. Er sei nach dem Willen Christi und der kirchlichen Tradition der „oberste Hirte und Lehrer aller Gläubigen“. Dazu habe er „die volle ordentliche Autorität, die oberste, gesamte, unmittelbare und universale in der Kirche“, sagte der Papst und zitierte, was bei ihm selten geschieht, das Kirchenrecht. In der Schlussbotschaft fehlten die Punkte, über die in den Tagen zuvor am heftigsten gestritten worden war: die Haltung der Kirche gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Eine Woche lang hatte der Papst zugehört, wie sich die Synodenväter bei diesen wichtigen Streitpunkten nicht einigen konnten. Ihr Abschlussbericht zur Synode fiel darum auch deutlich zahmer aus als noch der Zwischenbericht vor einer Woche.

          In seiner Schlussbotschaft kritisierte der Papst allerdings auch die Synodenväter – und zwar beide Lager. Diejenigen, die die Lehre ins Zentrum stellen, warnte er vor der Versuchung „feindlicher Erstarrung“. Es gebe den Wunsch, sich „im Geschriebenen einzuschließen und sich nicht von Gott überraschen lassen zu wollen“, und dabei die Neigung, die Wirklichkeit zu vernachlässigen. Den „Progressiven und Liberalen“ andererseits warf er die „Versuchung zu einem zerstörerischen Gutmenschentum“ vor. Franziskus sprach über die Versuchung „der Eifrigen, der Skrupulösen, der sogenannten ,Traditionalisten‘“. Auf beiden Seiten gebe es die Versuchung, „sich selbst nicht als Hüter, sondern als Besitzer und Herr“ des Glaubens, des „depositum fidei“, zu sehen. Der Papst wies die aufgewühlten Synodenväter zurecht. Sie hatten zuvor allen 62 Paragraphen des Abschlussberichts ihre Zustimmung erteilt. Allerdings erhielten drei Kapitel nicht die übliche synodale Zweidrittelmehrheit, die einst dafür notwendig war, dass ein Synodenbericht überhaupt erst dem Papst vorgelegt werden konnte. In den drei umstrittenen Kapiteln ging es um die wiederverheirateten Geschiedenen und die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.

          „Respekt“ gegenüber Geschiedenen

          Mit „großem Respekt“ müsse die Kirche wiederverheiratete Geschiedene begleiten, heißt es da, und dann wird dargestellt, dass es Bischöfe gebe, die in „bestimmten speziellen Situationen“ und „keineswegs generell“ vorgeschlagen hätten, diese Paare zur Kommunion zuzulassen. Doch schon diese Formulierung ging einer Minderheit zu weit. Sie sieht in der Teilnahme Wiederverheirateter am Abendmahl den Bruch des Ehesakraments, nach dem jeder in diesem Leben vor Gott nur eine gültige Ehe eingehen kann. Diese Gruppe findet es auch unangemessen, wenn nicht überflüssig, dieses Problem theologisch weiter „zu vertiefen“. Auch bei der Frage der Seelsorge gegenüber Schwulen und Lesben blieb die Zweidrittelmehrheit aus. Im Zwischenbericht hatte es geheißen, homosexuelle Partner könnten zum Wohl der Kirche beitragen. Jetzt heißt es nur, „Menschen mit homosexueller Neigung“ solle die Kirche „pastorale Aufmerksamkeit“ widmen. Die Kirche sei gegen „ungerechte Diskriminierung“, aber weise die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe zurück.

          In der Schlussbotschaft der Familiensynode kommen die zwei Themen gar nicht mehr vor. Es wird vielmehr der Mangel an Werten und Glaube beklagt, die Unauflöslichkeit der Ehe sowie die ewige Natur der Liebe zwischen Mann und Frau ins Zentrum gerückt. Der Begriff der „Gradualität“, das Eingeständnis der Kirche, dass sich Menschen nur graduell und mithin in Schritten dem Heil nähern können, fehlt in beiden Texten. Dabei hatte dieser theologisch lang schon eingeführte Begriff die Synode geprägt. Er hatte aber so viele Missverständnisse hervorgerufen, dass sich die Synodenväter nicht mehr auf eine Begriffsbestimmung einigen konnten.

          Papst will weiter Kirche im Dialog

          Im Vatikan hieß es, dass alles, was während der Synode gesagt und gefragt wurde, die Bischöfe weiter begleiten werde. Die Mehrheit, wenn auch nicht die große Mehrheit von zwei Dritteln, spreche sich für eine breite Öffnung der Familienseelsorge aus. Beide Texte seien keineswegs lehramtliche Dokumente von gesetzlichem Rang; sie hielten nur den Stand der Debatte fest. Der Papst habe stets gewusst, dass der Weg der Kirche zu einer neuen Familienseelsorge Zeit brauche. Er müsse dabei vor allem die Einheit der Kirche garantieren, zu der freilich Klerus und Kirchenvolk gleichermaßen gehörten. So habe Franziskus schon beim Konsistorium im Februar die Debatte beginnen lassen und gebe nun den Bischöfen ein Jahr Zeit, die Familienpastoral bis zur Synode im kommenden Herbst weiter zu beraten. Beide Texte und auch die Abstimmungsergebnisse seien veröffentlicht worden, um zu zeigen, dass der Papst weiter eine Kirche im breiten Dialog wolle. Dieser zeigte sich derweilen entspannt und erleichtert und beglückwünschte die Synodenväter zu einer Debatte der vergangenen Tage, die keinen Groll zurücklasse.

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, sagte: „Wir haben zum ersten Mal auf einer Synode, vielleicht sogar seit Jahrzehnten, solch eine offene, breite Diskussion erlebt über Themen, die wirklich schwierig sind.“ Wenn man die Ansprachen des Papstes mit den beiden Texten vergleiche, dann wären freilich „ein bisschen mehr Frische, ein bisschen mehr Aufbruch wünschenswert gewesen.“ Doch auch wenn am Ende zum Umgang mit Homosexuellen und wiederverheirateten Geschiedenen eine Zweidrittelmehrheit ausblieb, sei er nicht enttäuscht. „Der Text ermutigt uns, die Debatte weiter zu führen“, sagte Marx. Vor Jahren wäre es wohl undenkbar gewesen, dass die Weltkirche diese Themen offen diskutiere. Auch sehe er, dass die Anliegen der deutschen Bischöfe von vielen anderen in der Welt geteilt würden, sagte Marx. Das Glas sei „halb voll“.

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