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Familienstudie : Die Angst vor einem „Rund-um-die-Uhr-Job“

  • -Aktualisiert am

51 Prozent sagen, dass man Kinder braucht, um wirklich glücklich zu sein Bild: dpa

Mit Elterngeld und Krippenplätzen soll jungen Menschen die Entscheidung für Kinder erleichtert werden. Doch das nützt wenig, wenn der richtige Partner fehlt. Die Familienstudie des Allensbach-Instituts zeigt, dass Elternsein inzwischen nur noch ein Lebensentwurf unter vielen ist.

          Deutschland nach Jahrzehnten niedriger Geburtenraten wieder zu einem Land zu machen, „in dem junge Männer und Frauen unbelastet Ja zu Kindern sagen“, ist das erklärte Ziel der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Mit der Einführung des Elterngeldes und dem Programm zur Schaffung zusätzlicher Kinderbetreuungsangebote wird die Verbesserung wichtiger Rahmenbedingungen angestrebt, um jungen Paaren die Entscheidung für Kinder zu erleichtern. Obwohl sich erste Erfolge der neuen staatlichen Regelungen abzeichnen, bleibt jedoch durchaus offen, ob sie ausreichen werden, die von vielen erhoffte Stabilisierung oder gar Wende bei den Geburtenzahlen zu bewirken.

          30 Prozent der Bevölkerung zwischen 25 und 59 Jahren ist bisher kinderlos: 26 Prozent der Frauen und 35 Prozent der Männer dieser Altersgruppe haben kein Kind. Als wichtigsten Grund für ihre eigene Kinderlosigkeit gaben Frauen und Männer im Frühjahr 2007 meist an, „der richtige Partner, die richtige Partnerin für die Verwirklichung von Kinderwünschen fehlt(e)“. Erst mit Abstand wurden berufliche oder finanzielle Gründe genannt. Einen Partner zu haben oder zu finden, mit dem man Kinderwünsche teilt und in den man Vertrauen setzen kann, gemeinsam Kinder großzuziehen, ist offensichtlich die entscheidende Voraussetzung für das Ja zu Kindern.

          Verzichten für die Familie?

          Die Einstellungen von Männern und Frauen zum Elternsein rücken damit in den Vordergrund. Wichtige Erkenntnisse dazu liefert die „Vorwerk“-Familienstudie 2007, mit der das Institut für Demoskopie Allensbach die Initiative des Wuppertaler Unternehmens zur gesellschaftlichen Aufwertung von Familienarbeit in Deutschland wissenschaftlich begleitet („Familienmanagerin“). Die Studie geht auch der Frage nach, was es für Mütter und Väter zwischen 25 und 44 Jahren im Vergleich zu gleichaltrigen kinderlosen Frauen und Männern bedeutet, Kinder zu haben.

          Dass Elternsein mit Verantwortung und Einschränkungen, auch Opfern und Sorgen verbunden ist, ist Eltern und Kinderlosen in ähnlichem Maße bewusst, wobei manche Belastung den Kinderlosen offensichtlich bedrohlicher erscheint, als dies von Eltern empfunden wird. Dagegen nehmen Kinderlose in viel geringerem Anteil Vorzüge wahr, die Mütter und Väter mit Kindern erleben.

          Viele kinderlose Frauen verbinden mit der Vorstellung, Kinder zu haben, vor allem Einschränkungen ihrer Selbstverwirklichungsmöglichkeiten, einen „Rund-um-die-Uhr-Job“, der ihnen wenig Zeit für sie selbst lassen würde, sowie – nicht nur finanziell – auf vieles verzichten zu müssen. Hinzu kommt eine verbreitete Furcht, in der Mutterrolle überfordert zu sein. Die Erfahrungen vieler Mütter weisen durchaus auf Sorgen und Stress hin, die häufig mit dem Elternsein verbunden sind. Aber sie haben seltener als die kinderlosen Frauen das Gefühl, dadurch auf vieles verzichten zu müssen oder überfordert zu sein.

          „Ein Leben voller Überraschungen“

          74 Prozent der Väter von Kindern unter 14 Jahren überlassen die Betreuung und Erziehung ihrer Kinder nach eigener Aussage überwiegend ihrer Partnerin. Sie sind in den meisten Fällen nur wenig an der Familienarbeit beteiligt und empfinden das Elternsein viel seltener als einen „Rund-um-die-Uhr-Job“. Auch klagen sie seltener als Mütter darüber, wenig Zeit für sich selbst zu haben oder gar überfordert zu sein. Väter verbinden mit ihrer Vaterrolle deshalb seltener Stress und Verzicht, als dies kinderlose Männer befürchten.

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