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Familienbündnis : Renate Schmidts Verbündete

  • -Aktualisiert am

Einen „Mentalitätswandel” zugunsten von Familien will sie erreichen Bild: dpa

Die Bundesministerin möchte einen „Mentalitätswandel“ erreichen, um die Vereinbarkeit von Famile und Beruf zu verbessern. Weil Zeit und Geld knapp sind, setzt sich Renate Schmidt für die Initiative „Lokale Bündnisse für Familie“ ein.

          Renate Schmidt (SPD) hat sich viel vorgenommen: Einen „Mentalitätswandel“ zugunsten von Familien will sie erreichen, und zwar noch in dieser Legislaturperiode. Die Bundesfamilienministerin möchte, daß in die Städte ein familienfreundlicheres Klima einzieht und Unternehmen mehr Rücksicht auf die Wünsche von Eltern nehmen. „Eine Sisyphosarbeit - und viel schwieriger, als ein Gesetz zu machen.“

          Doch Zeit und Geld sind knapp: Also hat Renate Schmidt sich Partner gesucht. Anfang 2004 hob sie die Initiative „Lokale Bündnisse für Familie“ aus der Taufe. Auf kommunaler Ebene sollen sich Stadtverwaltungen, Betriebe, Handwerks- und Handelskammern, Kirchen und Sozialverbände zusammenschließen, um gemeinsam die Situation von Familien zu verbessern.

          Das Ministerium hat eine auf soziale Einrichtungen spezialisierte Unternehmensberatung engagiert, die die Kommunen berät; eine PR-Agentur vermarktet die Erfolge. Schmidts Haus entstehen dafür bis Ende 2006 Kosten von etwa vier Millionen Euro; noch einmal soviel kommt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Die Kosten in den Kommunen müssen von den lokalen Trägern beglichen werden.

          Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik

          Für diesen Montag hat Schmidt im Berliner Ludwig-Erhard-Haus, dem Sitz der Industrie- und Handelskammer, die Beteiligten zu einer Feier eingeladen, auf der das hundertste „Lokale Bündnis“ vorgestellt werden soll. In den Wochen zuvor reisten Schmidt und ihr Staatssekretär Peter Ruhenstroth-Bauer durch Deutschland, um bei Bündnisgründungen anwesend zu sein.

          Bei diesen Gründungsfeiern wiederholt Schmidt stets ihre zentrale Botschaft: Familienpolitik sei eigentlich Wirtschaftspolitik. Denn die Bereitschaft, Kinder zu bekommen, steige mit der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und das von der Regierung herbeigesehnte Wirtschaftswachstum ist mit einer schrumpfenden Bevölkerung schwer zu erreichen: Bleibe es bei der niedrigen Geburtenrate, werde nach Schätzungen der OECD vom Jahr 2015 an die jährliche Wachstumsrate um etwa 0,5 Prozent reduziert sein und im Jahr 2025 überhaupt nur noch ein halbes Prozent Wachstum möglich sein. Auch sei wegen des Geburtenrückgangs ein Fachkräftemangel zu erwarten. Eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen sei nötig, um diese Lücke zu schließen.

          Einiges bewegt sich

          Seit Anfang 2004 ist durch die Gründung solcher Familienbündnisse einiges in Bewegung gekommen. In Weil am Rhein etwa sollen Pendler künftig die Wahl haben, ob sie ihre Kinder am Wohnort oder am Arbeitsort in den Kindergarten bringen. Üblicherweise werden kommunale Zuschüsse nur für Kinder gezahlt, die den Kindergarten am Wohnort besuchen. Wer aber eine Wegzeit von 45 Minuten hat, braucht dann eine Betreuung, die täglich eineinhalb Stunden länger dauert als die eigene Arbeitszeit.

          In Trier hatte eine Befragung von 190 Unternehmen ergeben, daß es vor allem an Betreuung für Kinder unter drei Jahren fehlt. Im Herbst 2005 wird dort auf Initiative des „Lokalen Bündnisses“ eine überbetriebliche Kleinkindertagesstätte eröffnet. Andernorts werden neue Spielplätze errichtet oder vorhandene Spielplätze mit Kindertoiletten ausgestattet, Jugendzentren renoviert oder überdachte Kinderwagenparkplätze gebaut.

          Vorzeige Initiativen

          Zwei „Vorzeigebündnisse“ sind in Hanau und Eschborn im Rhein-Main-Gebiet entstanden; dort gab es jedoch schon vor der Initiative des Familienministeriums entsprechende Aktivitäten. In Hanau wurden unter dem Stichwort „zeitbewußte Stadt“ Fahrtzeiten und Takte von Bussen und Bahnen besser auf die Öffnungszeiten von Kindertagesstätten und auf die Arbeitszeiten der Eltern abgestimmt. Eschborn und drei benachbarte Städte im Taunus haben sich mit Unternehmen zusammengeschlossen und eine internetgestützte Tageseltern-Vermittlung gegründet. Zugleich werden Familien ermuntert, Tageskinder aufzunehmen, und für diese Aufgabe fortgebildet.

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