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Familie : Natürlich Vater, Mutter, Kinder

Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Klingt gut. Doch die Politik kommt nicht an der Natur vorbei. Lasst die Familie doch endlich in Ruhe!

          Neueste Umfragen haben ergeben: Väter und Mütter wollen weniger arbeiten und zugleich mehr verdienen. Die Hausarbeit soll fair auf das Personal verteilt und die Kinderschar biologisch-trilingual erzogen werden. Darauf muss sich nur noch die Wirklichkeit einstellen. Manches lässt sich eben theoretisch exzellent, in der Praxis aber nur mit Mühe und Müdigkeit miteinander vereinbaren. Das beginnt damit, dass in der Regel nur kinderlose Genderforscher glauben, dass sämtliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern anerzogen und kulturell bedingt seien. Dass zum Kinderzeugen immer noch Mann und Frau irgendwie gebraucht werden, dass es aber ausschließlich Frauen sind, die Kinder austragen, mitunter verlieren und dann unter Schmerzen zur Welt bringen, das weiß womöglich sogar der Leihmutter-Fan Elton John. Und dieser biologische Umstand hat Auswirkungen auf das Erwerbsleben, auch wenn manche Karrierestudentin glaubt, sie müsse allenfalls am Tag der Geburt mit dem Job aussetzen und könne dann weiter durchstarten.

          Politik und Unternehmen kommen an der Natur noch nicht ganz vorbei, auch wenn sie ihr Möglichstes tun. Sie sind aber in der Pflicht, der Gleichheit vor dem Gesetz Rechnung zu tragen, die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu fördern – wenn auch nicht unbedingt im ewigen Streit über die häuslichen Dinge. Im Arbeitsleben gibt es Gerechtigkeitsdefizite genug, dazu gehört aber nicht, dass diejenigen, die weniger arbeiten, auch weniger Geld bekommen. Keine Frage aber: Es gibt immer noch viel zu tun im Kampf gegen eine peinliche Präsenz- und Phrasenkultur und für mehr Familienfreundlichkeit. Das Elterngeld mit seinen Vätermonaten hat zwar bisher nicht zu mehr Geburten geführt, wohl aber zu einem Mentalitätswandel in den Betrieben beigetragen. Immer mehr hochqualifizierten Bewerbern ist weniger ein hohes Gehalt wichtig als vielmehr die berühmte Work-life-balance – aber gehört nicht die Arbeit auch zum Leben?

          Zu einem „guten“ Leben in Deutschland, das ja sogar die Kanzlerin persönlich zum Thema gemacht hat, gehören sicher nicht Eltern, die ihre Kinder nur zu Vorzeigeterminen sehen, Eltern also, die für ihren Nachwuchs (und für sich) jene 24-Stunden-Krippe brauchen, von der die Bundesfamilienministerin schwärmt. Der Staat sollte als Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen und ansonsten den Familien möglichst viel lassen – auch Ruhe.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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