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Fall Skripal : Russland weist vier deutsche Diplomaten aus

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Ermittler hoffen auf Aussage von Tochter

Die britischen Ermittler suchen fast vier Wochen nach dem Anschlag nach weiteren Spuren. Britische Medien berichteten, Julia Skripal sei wieder bei Bewusstsein. Die 33-jährige Russin könne bereits wieder essen und trinken. Die Ermittler hofften, durch eine Aussage von ihr zu erfahren, ob sie und ihr Vater vor dem Attentat verfolgt wurden. Das Nervengift Nowitschok soll an den Händen der Opfer nachgewiesen worden sein. Beide kamen wohl an ihrer eigenen Haustür in Salisbury mit dem Gift in Kontakt, wie die Ermittler herausfanden.

In den Kreml einbestellt: Der deutsche Botschafter Rüdiger von Fritsch.
In den Kreml einbestellt: Der deutsche Botschafter Rüdiger von Fritsch. : Bild: dpa

Bulgarien, das den rotierenden EU-Ratsvorsitz innehat, will in der Skripal-Affäre die Kommunikation mit Russland aufrechterhalten und vorerst keine russischen Diplomaten ausweisen. „Wir meinen nicht, dass wir zu diesem Zeitpunkt Diplomaten oder technisches Personal der Russischen Föderation ausweisen sollten“, sagte Regierungschef Boiko Borissow am Freitag in Sofia nach Konsultationen mit dem aus Moskau zurückbeorderten bulgarischen Botschafter in Russland. Borissow erinnerte an die angespannte internationale Lage: „Sogar während des Kalten Krieges waren die Dinge viel ruhiger.“

Zu einer möglichen russischen Verantwortung für den Giftanschlag auf den britisch-russischen Doppelagenten Sergej Skripal sagte Borissow: „Wir warten auf mehr Beweisen, falls es solche gibt.“ Bulgarien habe bei der EU und der Nato allerdings „volle Solidarität mit Großbritannien“ gezeigt, betonte er nach Beratungen im Sicherheitsrat der Regierung.

Damit fällt die Haltung der bürgerliche-nationalistischen Koalitionsregierung in Sofia nun ähnlich wie die Position der oppositionellen Sozialisten aus. Ein Teil der Parlamentarier der konservativen Regierungspartei GERB soll aber darauf bestehen, dass Bulgarien doch russische Diplomaten ausweist.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner warnte den Westen davor, sich vom russischen Präsidenten Wladimir Putin auseinander dividieren zu lassen. „Wenn man Putin zu einem Einlenken und zu einem Politikwechsel bewegen will, dann nicht, indem man ihm alles gibt, was er will und sich ihm unterwirft, sondern nur wenn man sehr deutliche Grenzlinien zieht“, sagte Lindner der Deutschen Presse-Agentur. Er fügte mahnend hinzu: „Der Westen ist immer sehr defensiv, wenn es darum geht, Eskalationen Moskaus zu bewerten.

Natürlich habe es Fehler im Umgang mit Russland gegeben. „Aber die gegenwärtige Eskalation - der Eingriff in unsere Wahlkämpfe, die aggressive Militärpolitik - das kann nicht unbeantwortet bleiben“, sagte Lindner. „Bei aller Bereitschaft und Notwendigkeit der Selbstkritik im Westen, ich wünsche mir auch ein bisschen Selbstbewusstsein.“ Mit Blick auf den vergifteten russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal sagte Lindner: „Das ist schon ein beispielloser Angriff auf die innere Ordnung eines Staates, wenn da mit Giftgas hantiert wird.“

Nach der Massenausweisung russischer Diplomaten in der Skripal-Affäre hofft Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble auf ein Brexit-Umdenken in Großbritannien. „Ich habe durchaus noch Hoffnung, dass die Briten in der EU bleiben“, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Nach dem Giftanschlag auf Skripal hätten die Briten gesehen, „wie gut es ist, wenn man in der Welt nicht alleine ist“. Sie würden viel Solidarität erfahren und erkennen, dass „Europa funktioniert“.

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