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Fall Olaf Latzel : Kirchen verurteilen Queer-Feindlichkeit

  • Aktualisiert am

Pastor Olaf Latzel im November 2020 im Gerichtssaal im Amtsgericht Bremen. Bild: dpa

Vom Vorwurf der Volksverhetzung wurde der evangelikale Pastor am Freitag freigesprochen. Viele Kirchenrepräsentanten kritisieren dies und sprechen sich gegen die Diskriminierung queerer Menschen aus.

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          Nach dem Freispruch für den evangelikalen Bremer Pastor Olaf Latzel mehren sich kirchliche Stimmen, die das Urteil des Bremer Landgerichts kritisieren und für eine offene, queer-freundliche Kirche werben. Die Kirchenpräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz im niedersächsischen Leer, Susanne Bei der Wieden, verurteilte Latzels Äußerungen zur Homosexualität. „Der Freispruch von Olaf Latzel ändert nichts daran: Als der Bibel verpflichtete Christin verurteile ich seine homophoben Äußerungen scharf“, postete die Kirchenpräsidentin am Samstag auf Twitter.

          Zugleich kritisierte Bei der Wieden das Bremer Landgericht, das Latzel am Freitag vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen hatte: „Das Bremer Urteil gibt einseitig einem platten Biblizismus recht. Biblische Theologie bezeugt aber Gott als den Schöpfer aller Lebensformen.“

          Queer-Feindlichkeit auf Youtube

          Das Bremer Landgericht hatte den umstrittenen evangelischen Pastor am Freitag vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen. Dabei ging es um Äußerungen zur Homosexualität (AZ: 51 NS 225 JS 26577/20, 10/21). Der Pastor hatte im Oktober 2019 in einer „biblischen Fahrschule zur Ehe“ vor 30 Paaren unter anderem gesagt, Homosexualität sei eine „Degenerationsform von Gesellschaft“. Eine Tonaufnahme davon war im März des Folgejahres mit Zustimmung des Pastors auf dem Youtube-Kanal des Theologen veröffentlicht worden.

          In der hannoverschen Landeskirche hatten sich die Jugendsynode und Landesbischof Ralf Meister am Samstag in einem gemeinsamen Statement gegen die Diskriminierung queerer Menschen gewandt. Die Landeskirche setze sich für die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am kirchlichen und gesellschaftlichen Leben ein, heißt es in der auf der Frühjahrstagung der Landessynode vorgestellten Stellungnahme. Alle Menschen aller geschlechtlichen Identitäten und vielfältiger sexuellen Orientierungen seien willkommen.

          EKD will keine Diskriminierung

          Unterdessen bekräftigte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ihre liberale Haltung zum Umgang mit Homosexualität. Sie lehne jede Form der Diskriminierung aufgrund einer sexuellen Orientierung oder Identität aus theologischen und ethischen Gründen ab, heißt es auf dem EKD-Instagram Account und auf Twitter: „Das gilt unabhängig von allen Gerichtsurteilen.“ Alle Menschen, auch „Mitglieder der LGBTQI+Community sind dazu berufen, ihre Partnerschaft vom biblischen Liebesgebot her zu gestalten“.

          Am Freitag hatte auch der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit Bedauern für den Freispruch Latzels geäußert. „Das Gericht hat einen weiten Rahmen für die Meinungsfreiheit gezogen. Das ist zu akzeptieren“, sagte der Bischof am Rande der in Oldenburg tagenden Synode seiner Kirche: „Dennoch heiße ich die Äußerungen von Pastor Latzel nicht gut.“

          Unklar ist, wie ein Disziplinarverfahren ausgeht, das die Bremer Evangelische Kirche gegen Latzel angestrengt hat und das unabhängig vom Urteil läuft. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung des Landgerichtes ruht das Verfahren.

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