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Fall Mollath : So etwas wie Empathie

Der Fall Mollath ist vieles: ein trauriges Schicksal, ein Makel für die Justiz, ein gefundenes Fressen für die bayerische Opposition.

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          Der Fall Mollath ist vieles: ein trauriges Schicksal, ein Makel für die Justiz, ein gefundenes Fressen für die bayerische Opposition. Dass hier von Anfang an alles auf der Hand lag, was sich im Nachhinein herausgestellt hat, wird man - wie bei so vielen Skandalen - nicht sagen können.

          Immerhin hat Justizministerin Merk, wie sie jetzt vor dem Untersuchungsausschuss noch einmal dargelegt hat, so schnell das eben möglich gewesen sei, einen Wiederaufnahmeantrag gestellt. Sie wolle auch keine politisierte Staatsanwaltschaft - wer will das schon?

          Verstörend ist an diesem Fall, der hoffentlich nur eine Ausnahme darstellt, vor allem, dass sich die Justiz samt Ministerin lange als unfähig erwiesen hat, auch nur die Möglichkeit eines Fehlers in ihren Reihen in Erwägung zu ziehen. Jetzt erst ließ Frau Merk so etwas wie Empathie erkennen.

          Nun soll die Justiz unabhängig sein und nicht unbedingt Gefühle zeigen. Doch den Eifer, den de r Apparat im Kampf um Status und Besoldung nicht zu Unrecht zeigt, vermisst man, wenn es um Verständnis für diejenigen geht, die im Rechtsstaat zu Opfern wurden.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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