Fall Mollath : Horstopheles
Es möchte kein Hund länger so leben, ächzt es aus den Amtsstuben der bayerischen Justiz. Ein Mephistopheles namens Horst Seehofer sitzt den Staatsanwälten und Richtern im Nacken, die mit dem Fall des Gustl Mollath befasst sind. Er bläst ihnen in die Ohren, was die Bevölkerung erwarte - eine „zügige Behandlung“, sprich einen kurzen Prozess, an dessen Ende Mollath auf freien Fuß kommt. Letzteres sagt Seehofer natürlich nicht, er ist schließlich kein politischer Novize. Im gleichen Atemzug, in dem er eine „zeitnahe Überprüfung“ anmahnt, versichert er, wie außerordentlich teuer ihm die richterliche Unabhängigkeit sei. Nur zu teuer darf sie ihm nicht werden am 15. September, dem Tag der Landtagswahl. Ein, zwei, drei Prozentpunkte könnten den Ausschlag dafür geben, ob die CSU das verteufelte Wort „Koalition“ wieder aus ihrem Vokabular streichen darf.