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Andreas Ross (anr.)

Fall Khashoggi : Geschäfte zuerst

  • -Aktualisiert am

Präsident Trump spricht vor dem Weißen Haus am 17. November zu Journalisten vor seinem Abflug nach Kalifornien. Bild: EPA

Der kämpferische Ton der Rechtfertigung von Präsident Trump verdeckt den Kleinmut dahinter. Washington könnte breitbeiniger auftreten.

          Die Solidaritätsadresse des amerikanischen Präsidenten an das mörderische Regime in Riad zeigt Dreierlei. Erstens: Für Trump ist nichts wichtiger als das Geschäft. Zweitens: Amerikas Mittelost-Strategie ruht nur auf einer Säule, dem Kampf gegen Iran als vermeintlich Alleinschuldigem am Chaos in der Region. Drittens: Auch in einer schmerzhaften Zwickmühle verlässt sich Trump nicht auf erprobte Strategien, wie man Länder zur Räson ruft, ohne alle Bande zu kappen. Er kämpft sich lieber allein frei, wie viele Ausrufezeichen es auch koste.

          In dem Mord an Jamal Khashoggi sieht Trump eine Chance, sich als Erfinder einer gnadenlos konsequenten Interessenpolitik zu stilisieren. Doch genau darin hat Trump versagt: Wie soll es die Vereinigten Staaten stärken, wenn er den Saudis und allen anderen Scheckbuch-Schurken signalisiert, dass sie auch bei schlimmsten Grenzüberschreitungen nichts zu befürchten haben? Was hat es mit „Amerika zuerst“ zu tun, wenn Trump den Saudis so offen zeigt, dass er sie von Ölpreis bis Handel am längeren Hebel wähnt?

          Der kämpferische Ton der Rechtfertigung Trumps verdeckt den Kleinmut dahinter. Für Deutschlands Industrie mag ja stimmen, dass rasch andere Lieferanten in die Bresche springen dürften, wenn Berlin die Ausfuhr von Patrouillenbooten nicht mehr billigt. Washington aber könnte breitbeiniger auftreten: So schnell wird Riad seine Luftwaffe nicht auf russische Systeme umrüsten. Seriöse Realpolitiker wüssten das zu nutzen. Das Besondere an Trump ist nicht, dass er nur darauf starrt, was für Amerika unter dem Strich steht. Das Besondere ist, wie eng er den Blick dabei fasst.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

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