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Weltweite Migration : Die große Wanderung

Ein Junge in einem Trikot der spanischen Fußballnationalmannschaft in einer provisorischen Flüchtlingsunterkunft Bild: dpa

Die weltweite Migration sei außer Kontrolle geraten, heißt es oft. Ein Ansturm der Armen aus dem Süden auf die Reichen im Norden sei im Gange. Ist das wirklich wahr?

          8 Min.

          Die Deutschen diskutieren nicht nur viel über Migration, sie sind selbst recht fleißige Auswanderer. Rund um den Globus leben nach Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 4,2 Millionen Bundesbürger, die ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben. Auf der Liste der Länder, aus denen die meisten Migranten kommen - nach IOM-Definition sind das Menschen, die ihr Geburtsland verlassen haben -, liegt Deutschland damit auf Platz 14. Besonders oft verschlägt es die Deutschen in die Vereinigten Staaten, wo allein 1,3 Millionen der hiesigen Auswanderer leben. Die Verbundenheit mit Amerika hat eine gewisse Tradition, schon bei der Besiedlung der Neuen Welt spielten die Deutschen eine erhebliche Rolle. Das ist bis heute sichtbar. In den Vereinigten Staaten lebten im Jahr 2015 nach offiziellen Statistiken 45,5 Millionen Deutschstämmige. Das war immerhin jeder siebte Amerikaner.

          Andreas Nefzger
          Redakteur in der Politik.

          Zugegeben: In der Diskussion über Flüchtlinge und Wirtschaftsmigranten, die Deutschland und Europa seit drei Jahren in Atem hält, helfen diese Informationen nicht unmittelbar weiter. Aber sie erinnern daran, dass in der Weltgeschichte die Regionen, aus denen sich Glücksritter in alle Welt aufmachten, immer wieder wechselten und dass sich der Mensch immer schon auf Wanderschaft begeben hat. Und sie geben einen Eindruck davon, dass das weltweite Migrationsgeschehen komplexer ist, als es in der öffentlichen Debatte bisweilen erscheint. Viele gängige Annahmen, die zum festen Bestandteil der Diskussion geworden sind, halten einer genaueren Überprüfung schlicht nicht stand. Migration ist nicht in erster Linie etwas Chaotisches, eine massenhafte Missachtung der Grenzen, die moderne Nationalstaaten gezogen haben. Migration kennt auch nicht nur eine Richtung, nämlich vom armen Süden in den reichen Norden. Und es ist gerade auch nicht eine Art Völkerwanderung im Gange, an deren Ende die Welt nicht mehr dieselbe ist.

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