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Fabius in Teheran : Paris vollzieht Kehrtwende gegenüber Iran

Der französische Außenminister Fabius trifft in Teheran den iranischen Außenminister Zarif. Bild: dpa

Der französische Außenminister Laurent Fabius hat bei einem Besuch in Teheran den iranischen Präsidenten nach Paris eingeladen. Dabei war Frankreich in den Atomverhandlungen immer der härteste Widersacher Irans.

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          Der französische Außenminister Laurent Fabius ist sehr rasch nach der Unterzeichnung des Atomabkommens nach Teheran gefahren. Außerdem hatte er noch eine Einladung an den iranischen Präsidenten Hassan Rohani zu einem Staatsbesuch in Paris im November im Gepäck. Dabei waren in den vergangenen zehn Jahren die einst engen Beziehungen zwischen beiden Ländern stark abgekühlt. Zuletzt hatte unter den sechs Verhandlungspartnern Irans (die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland) Frankreich die härteste Position gegenüber Iran eingenommen. Paris hatte damit viel Zustimmung der Gegner eines Abkommens erhalten, in den Vereinigten Staaten wie in Israel. So beharrte Frankreich auf der Verpflichtung Irans, dass auch militärische Anlagen inspiziert werden dürfen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Fabius rechtfertigte seine harte Gangart mit den Worten, er werde sich nicht mit einem „Lutscher-Abkommen“ zufrieden geben. Zuletzt hatten ein französischer Außenminister 2003 Teheran besucht, als Deutschland, Großbritannien und Frankreich in Teheran mit Vertretern der Regierung des damaligen Präsidenten Chatami erstmals über eine Lösung im Atomkonflikt verhandelten.

          Nicht vergessen hat Iran, dass Frankreich im Krieg, den 1980 Saddam Hussein begonnen hatte und der bis 1988 dauerte, der wichtigste Lieferant für die irakische Luftwaffe war. Belastend wirkte sich auf die bilateralen Beziehungen aus, dass die oppositionellen iranischen Volksmudschahedin ihre Zentrale nahe Paris unterhalten. Auch die Witwe des letzten Schahs, Farah Diba, residiert in Paris. Einen Tiefpunkt hatten die Beziehungen in der Amtszeit des Präsidenten Mahmud Ahmadineschad (2005 bis 2013) erreicht. Die französische Regierung verurteilte scharf die Bedrohung Israels durch Ahmadineschad und seine Leugnung des Holocaust. Der französische Präsident Jacques Chirac sagte, Teheran würde umgehend zerstört, sollte Iran Atomwaffen gegen Israel einsetzen.

          Nach der Wiederwahl Ahmadineschads 2009 behauptete die iranische Regierung, Frankreich habe aus seiner Botschaft in Teheran heraus die Herausforderer Ahmadineschads unterstützt. Als die französische Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy im Sommer 2010 in einem offenen Brief forderte, die wegen Unzucht zum Tod durch Steinigung verurteilte Sakineh Mohammadi Ashtiani zu begnadigen, schrieb die Zeitung „Kayhan“, ein Sprachrohr Ahmadineschads, als „Prostituierte“ solle sich Carla Bruni nicht in diese Geschichten einmischen.

          Eng waren indes die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern sowohl vor als auch nach der Revolution von 1979. Frankreich spielte bereits unter dem Schah eine wichtige Rolle für das iranische Atomprogramm, gewährte andererseits aber auch dem späteren Revolutionsführer Chomeini Asyl. Das französische Staatsunternehmen Cogéma und Teheran gründeten 1975 die Firma Sofidif, die Uran anreicherte. Über Sofidif war Iran an dem europäischen Urananreicherungsunternehmen Eurodif beteiligt. 1991 zahlte Frankreich den Betrag von 1,6 Milliarden Dollar, den der Schah für einen Anlage von Eurodif vorgestreckt hatte, zurück. Iran blieb Aktionär, bezog aber nie angereichertes Uran.

          Wichtig ist für Iran die französische Partnerschaft in der Automobilindustrie. Auf Komponenten für Automobile entfällt mehr als 50 Prozent des französischen Exports nach Iran. Die beiden iranischen Unternehmen IKCO und Saipa sind mit den montierten Wagen von Peugeot und Renault die unangefochtenen Marktführer in Iran.

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