https://www.faz.net/-gpf-9ptvd

F.A.Z.-Sprinter : Auge um Auge, Bit um Bit

Unser Autor: Sven Astheimer Bild: Robert Wenkemann

Jetzt wird doch noch im Falle des Sommermärchens 2006 Anklage erhoben. Knifflig wird es für Deutschland in der Frage der Cyberabwehr. Alles, was wichtig wird, im F.A.Z.-Sprinter.

          2 Min.

          Achtung, hier kommt Futter fürs Phrasenschwein: Die Mühlen der Justiz mahlen manchmal furchtbar langsam. Wer bei diesem Satz an die Aufarbeitung des Dieselskandals von Volkswagen denkt, liegt jedoch falsch. Der flog schließlich vor gerade mal vier Jahren auf. Nein, hier geht es um das Sommermärchen von 2006, die Wiederauferstehung des deutschen Fußballs sozusagen. Kurz vor dem Ablauf der Verjährungsfrist hat die Schweizer Bundesanwaltschaft nun doch noch Anklage erhoben gegen die beiden ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fußballbundes, Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach, sowie gegen weitere Funktionäre. Der Vorwurf lautet auf arglistige Täuschung und Betrug. Das Ganze hat mindestens ein Geschmäckle, kommentiert Reinhard Müller diese „Dunkle Seite“ des Sommermärchens.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Das wird Donald Trump nicht gefallen. Schließlich hat der amerikanische Präsident den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei zum Sinnbild des Bösen auserkoren, und es kommt nun unter seinen westlichen Verbündeten zum Schwur: Wer legt den Ausbau der wichtigen 5G-Netze in die Hand aus Fernost, und wer folgt Trump in dessen Ablehnung. Doch nun sagt Arne Schönbohm, der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik im F.A.Z.-Interview, dass es völlig egal ist, ob ein Bauteil aus China kommt oder nicht. Das Thema Wirtschaftsspionage sei kontrollierbar, findet der Cyberkämpfer. Allerdings müsse Deutschland auch lernen, auf Hackerangriffe aus dem Ausland mit Gegenangriffen zu reagieren – Auge um Auge, Bit um Bit. Das dürfte Mr. President schon eher gefallen. Apropos westliche Demokratien: Über die tiefe Spaltung zwischen langjährigen Partnern und den Wandel der Gesellschaften hat sich Udo Di Fabio seine Gedanken gemacht. Den Essay des Richters des Bundesverfassungsgerichts a.D. gibt es hier als Podcast.

          Deutsche Klimaschützer dürften dem starken Mann im Weißen Haus dagegen weitestgehend suspekt sein. Wie Julia Löhr berichtet, hat sich die Ökolobby nämlich jetzt auf ein neues Ziel eingeschossen: das deutsche Nutztier. Mehr als 26 Millionen Schweine und 177 Millionen Hühner hierzulande sind einfach zu viel fürs Klima, wettern dessen selbsternannte Retter. Denn nicht nur deren beim Verdauen erzeugte Abgase seien schädlich, sondern auch die auf die Felder ausgebrachte Gülle. Deshalb soll die Zahl der Tiere an die bewirtschaftete Fläche gekoppelt werden. Dumm nur, dass die Menschen sich trotz des Hypes um vegane Burger mehrheitlich um die Forderungen der Öko-Fundis nicht zu scheren scheinen: Die Deutschen essen nämlich gerne Fleisch – 60 Kilogramm je Kopf im Jahr. Na, dann: guten Appetit!

          Und sonst? In Lausanne läuft der Klimagipfel „Smile for Future“ mit dem Star der Öko-Szene Greta Thunberg, während in Genf der Klimarat zusammenkommt. In Paris wird das Urteil verkündet gegen eine junge Frau, die im Namen der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ einen Anschlag geplant haben soll, und Hongkong gehen die Proteste weiter mit einem Schweigemarsch der Anwälte für die Unabhängigkeit der Justiz.

          Die Nacht in Kürze:

          Die Disney-Aktien sind deutlich unter den Erwartungen zurückgeblieben. Dennoch hat das kalifornische Medienunternehmen ambitionierte Zukunftspläne: Es möchte mit einem eigenen Streaming-Dienst Netflix Konkurrenz machen.

          Washingtons Verteidigungsminister Mark Esper hat angekündigt, eine türkische Militäroffensive in Nordsyrien in jedem Fall verhindern zu wollen. Wiederholt hat Präsident Erdogan mit einer militärischen Intervention in den kurdischen Gebieten Nordsyriens gedroht.

          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat seinen Raketentest von Dienstag als „angemessene Warnung“ an Südkorea und die Vereinigten Staaten bezeichnet. Das Regime fühlt sich von den derzeit in Südkorea stattfindenden Militärübungen bedroht.

          Weitere Themen

          Union sieht Verantwortung bei Scholz Video-Seite öffnen

          Wirecard-Skandal : Union sieht Verantwortung bei Scholz

          Der Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Wirecard-Untersuchungsausschuss, Matthias Hauer, hat in dem Skandal schwere Vorwürfe gegen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erhoben.

          Topmeldungen

          Erdogan am 15. Juni 2017 vor Anhängern in Istanbul

          Zukunft der Türkei : Erdogans dunkle Jahre

          Zuerst war Recep Tayyip Erdogan ein überzeugter Islamist, dann ein Reformer, nun ist er ein paranoider Autokrat. Was würde er tun, um die Macht zu behalten?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.