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F.A.Z.-Serie : Wandel zur Weltkirche

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Vatikan: Weltweite Mission gegen die „Entkirchlichung” Bild: dpa/dpaweb

Während des Pontifikats Johannes Pauls II. hat sich die katholische Kirche in vielen Ländern enorm gewandelt. Korrespondenten der F.A.Z. berichten über ihre Lage in den Regionen der Welt. Dabei stellen sie auch mögliche Papst-Nachfolger vor.

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          Nahezu 27 Jahre währte das Pontifikat Johannes Pauls II. In dieser Zeit änderten sich nicht nur ganze politische Systeme, auch die katholische Kirche hat sich in vielen Ländern und Regionen enorm gewandelt - oft in Wechselwirkung mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen.

          Als Erzbischof Wojtyla aus Krakau 1978 zum Papst gewählt wurde, war längst nicht absehbar, daß die Unterdrückung der Religion im Machtbereich der Sowjetunion nur noch wenige Jahre andauern sollte. Die Kirche war daher in vielen Ländern gespalten: Einer offiziellen, mit den kommunistischen Machthabern liierten stand eine Untergrundkirche gegenüber.

          Die Vergangenheit ist noch nicht überall Geschichte

          Heute ist die Religionsfreiheit mit Ausnahme Chinas und eines Teils der arabischen Welt einschließlich der Türkei nahezu überall garantiert, doch die Vergangenheit ist noch nicht überall Geschichte.

          Gespalten war die katholische Kirche aber auch in vielen Ländern Lateinamerikas, wo die Hierarchie traditionell autoritären Regimen bis hin zu Militärdiktaturen so nahestand, daß die Schwäche demokratischer Institutionen im südlichen der beiden Amerikas zu einem Gutteil auf die fatale Rolle der Kirche in der Geschichte des Subkontinents zurückzuführen ist. „Basisgemeinden“ und „Theologie der Befreiung“ standen daher damals weniger für marxistischen Einfluß auf die Theologie und das Leben der Kirche als für die Suche nach einem neuen Ort der Kirche in der Gesellschaft und der Verwirklichung des Evangeliums mit seiner „vorrangigen Option für die Armen“.

          Immer mehr Katholiken in Afrika und Asien

          Heute leben in Mittel- und Südamerika nicht nur annähernd die Hälfte der mehr als eine Milliarde Katholiken. Der Lateinamerikanische Bischofsrat (Celam) und die Bischofskonferenzen vieler Länder pflegen den Dialog mit Politikern und Wirtschaftsführern, um gemeinsam Perspektiven für einen gerechten und friedlichen Wandel ihrer Länder zu bestimmen.

          Prozentual am stärksten gestiegen ist in den vergangenen Jahrzehnten die Zahl der Katholiken jedoch nicht in Lateinamerika, sondern in Afrika und in Asien. Zugenommen haben dort aber auch die Spannungen zwischen verschiedenen Religionen. In Westafrika, aber auch auf den Philippinen, dem einzigen mehrheitlich katholischen Land Asiens, ist politisch oder sozial motivierte Gewalt zwischen Katholiken und Muslimen seit vielen Jahren traurige Realität.

          „Entkirchlichung“ von Religion in Europa

          Ganz anders die Lage im südlichen Afrika: Hier stehen gegenwärtig der Widerstand gegen das Mugabe-Regime in Zimbabwe und der Kampf gegen die Ausbreitung und die verheerenden sozialen Folgen von Aids, aber auch die Konkurrenz mit Sekten und evangelischen Freikirchen auf der Tagesordnung der Kirchen.

          Die Katholiken in Europa und in den Vereinigten Staaten tragen zum Einsatz der Kirche für Gerechtigkeit und Frieden rund um den Globus viel bei: ihr Geld. Doch wie steht es hier und in Nordamerika um den Glauben? Um Kirchen jedenfalls ist es in den meisten Teilen der sogenannten ersten Welt nicht gut bestellt. Ob Religion jemals verschwinden wird, ist zweifelhaft. Gewiß aber vollzieht sich in Europa und in den Vereinigten Staaten eine „Entkirchlichung“ von Religion. In den Jahren des Pontifikats Johannes Pauls II. hat diese Entwicklung noch an Dynamik gewonnen.

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