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Ex-Pegida-Frontfrau Oertel : Demagogie, zweiter Akt

  • -Aktualisiert am

Kathrin Oertel sagt, sie fühle sich mit verantwortlich für die „Hetzkampagne“ gegen Muslime (Bild aus dem Januar). Bild: AFP

Kathrin Oertel bittet Muslime um Entschuldigung. Was nach Einsicht und Reue klingt, ist für die Pegida-Mitgründerin offenbar nur der Auftakt einer neuen Verschwörungstheorie.

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          Als Kathrin Oertel noch Scharfmacherin der Pegida-Bewegung war, warnte sie vor der Islamisierung des Abendlandes. In einem kürzlich veröffentlichten Video sitzt ausgerechnet diese Oertel in einem Auto, filmt sich mit ihrem Mobiltelefon und sagt Dinge, die wie eine ideologische Kehrtwende klingen: Sie entschuldigt sich bei allen Muslimen. „Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei allen Migranten, und vor allen Dingen den Muslimen unter ihnen, zu entschuldigen, die hier in unserem Land friedlich leben, integriert, und die unsere Gesetze und unsere Kultur achten. Das sind nämlich die meisten von ihnen“, sagt Oertel zu Beginn des knapp elf Minuten langen Videos. Sie fühle sich mit verantwortlich für die Hetzkampagne, die in den vergangenen Monaten losgetreten worden sei, und versprach: „Ich kann in Zukunft nur alles dafür tun, dass das irgendwie wieder in Ordnung kommt.“

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Zugleich kritisierte sie den einst von ihr mitgegründeten Pegida-Verein, den sie Ende Januar zusammen mit fünf anderen Mitstreitern verlassen hatte. „Die Pegidianer müssen einfach begreifen, dass sie dem falschen Pferd aufsitzen“, sagte Oertel. „Die steigende Zahl der Asylbewerber in Deutschland und Europa für die Problem verantwortlich zu machen, das ist nicht die Ursache.“ Was zunächst nach Einsicht und Reue klingt, ist für Oertel offenbar nur Auftakt einer neuen Verschwörungstheorie. Zwar erklärt sie scheinbar aufrichtig, dass man keine Feindbilder mehr schaffen dürfe, sagt jedoch im gleichen Atemzug, dass endlich über die „wirklichen Täter und deren Interessen“ aufgeklärt werden müsse.

          Schon als sie den erfolglosen Verein „Direkte Demokratie für Europa“, den sie nach ihrem Pegida-Ausstieg mitgegründet hatte, wieder verließ, begründete sie das auf ihrer Facebook-Seite so: „Nach dem ganzen Erlebten bei und mit PEGIDA... bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass durch Dialoge zwischen Volk und Politik nichts mehr zu erreichen ist, da nicht Frau Merkel und der Bundestag die Entscheidungen trifft, sondern Brüssel und Amerika, gelenkt von den reichsten Menschen unseres Erdballs.“

          Und nach der German-Wings-Katastrophe in den Alpen teilte sie im Internet unter der Überschrift „Setzt dem System ein Ende – WACHT AUF“ eine Fotoserie, die suggerierte, dass das Flugzeug nicht in den Felsen zerschellt sein konnte. „Wahrscheinlich werden unsere Medien diesen tragischen Absturz noch eine Weile ausschlachten und dabei wilde Behauptungen aufstellen... WÄHREND AMERIKANISCHE PANZER DURCH EUROPA ROLLEN!!!!“, schrieb Oertel. Mit ihrer neuen Initiative, die sich „193 Friedenstauben“ nennt, will Oertel nun „die tatsächlichen Ursachen besprechen“ sowie über Missstände aufklären, sagte sie in ihrem Video, denn: „Wir werden hier alle verarscht.“ Von wem, blieb vorerst unklar. Zur Auftaktveranstaltung ihrer neuen Bewegung ließ sie am Freitag im Dresdner Zentrum „193 Luftballons für den Frieden“ in den Himmel steigen.

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