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Euthanasie : Kirchen lehnen Sterbehilfe ab

  • Aktualisiert am

Leid gehört zum Leben, sagen die Kirchen Bild: dpa

Kirchenvertreter haben die aktive Sterbehilfe verurteilt. Kardinal Lehmann nannte sie „unmenschlich“.

          Führende Vertreter der Kirchen in Deutschland haben am Karfreitag die aktive Sterbehilfe erneut strikt abgelehnt und Leiden als einen Bestandteil des Lebens bezeichnet.

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, kritisierte in seiner Karfreitags-Predigt die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden. Damit werde gegen ein elementares Gebot der Menschlichkeit - „Du sollst nicht töten“ - verstoßen, sagte der Mainzer Oberhirte.

          Lehmann befürchtet Missbrauch

          Die aktive Sterbehilfe sei nicht nur ein „Dammbruch“, weil sie „Tür und Tor zu subtilem Missbrauch“ öffne, „sondern bedeutet auch letztlich einen Bruch im Umgang mit dem Leben und mit der Kultur, die wir als Erbe übernommen haben“, sagte Lehmann.

          Die Menschen dürften nicht der Illusion erliegen, dass es eine vollkommene Befreiung von jedem Leid geben könne. Mit der aktiven Sterbehilfe verabschiede man sich von der Kraft, Leiden zu mindern.

          „Für menschliches Leben einsetzen“

          Auch der evangelische bayerische Landesbischof Johannes Friedrich betonte in seiner Karfreitagspredigt die Unantastbarkeit menschlichen Lebens. Vor dem Hintergrund der Debatte um aktive Sterbehilfe oder der Abtreibung behinderter Föten sagte Friedrich, Leiden dürfe in keinem Fall eine Begründung dafür sein, „dass wir Leben beenden oder gar nicht erst zulassen“. „Das Kreuz verpflichtet uns, sich für menschliches Leben einzusetzen, wo immer dies gefährdet ist - durch Krieg und Folter, durch Todesstrafe und Terror, durch Euthanasie oder schon vor der Geburt“, sagte der Bischof.

          „Wir sind dabei, uns an der Wirklichkeit von Leiden in der Welt vorbeizumogeln“, betonte Friedrich. Die Wissenschaft locke dabei mit dem „Apfel der Leidvermeidung“ und nenne es „Sterbehilfe“ oder „Präimplantationsdiagnostik“. Doch dahinter verberge sich nichts weiter als der „Traum von einer Welt ohne Leid“. Dies sei jedoch ein tragischer Irrtum. Eine Welt ohne Leid gebe es nicht.

          Illusion der schönen neuen Welt

          Auch der badische Landesbischof Ulrich Fischer warnte vor der „scheinbaren Machbarkeit leidfreien Lebens“. Er kritisierte den „Wahn, eine schöne neue Welt machen zu können“. Als Beispiele nannte er das niederländische Gesetz über die aktive Sterbehilfe und den Fall eines italienischen Elternpaars, das einen künstlich erzeugten Embryo verkauft hatte, weil ihnen das Geschlecht nicht gepasst habe.

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