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Euroraum : Merkels Wille und Griechenlands Weg

  • -Aktualisiert am

Merkel und Tsipras am Mittwoch bei einem Gipfel europäischer und lateinamerikanischer Staaten Bild: AP

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel geht es bei der Frage des Verbleibs Griechenlands im Euro um weit mehr als um Währungspolitik. Was für sie zählt, ist die historische Dimension.

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          Im verminten Gelände der Griechenland-Hilfen über einen „Plan B“ zu reden, das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum also, haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Rest der Bundesregierung verboten. Bei öffentlichen Auftritten Merkels und erst recht ihrer Sprecher, aber auch in kleineren – da immer noch halböffentlichen – Runden, wird die Haltung verfochten, Griechenland im Euroraum zu halten. Nahezu gebetsmühlenartig geschieht es – gegenteiligen Spekulationen und vermeintlichen Analysen zum Trotz. Mithin pflegt Merkel auch zu versichern, mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ein gutes Gesprächsverhältnis gefunden zu haben. Ein Foto aus nächtlichen Verhandlungen in Brüssel zeigt die beiden lachend nebeneinander. Freilich: Wenn Fotografen dabei sind, wird gerne freundlich gelächelt. Und: Die Berater schauen schon ernster drein. Viel bedeuten muss das nicht. Dass in Fragen wie diesen „Geheimhaltung“ das oberste Gebot für die Beteiligten ist, versteht sich von selbst. Zum Verlauf solcher Verhandlungsprozesse gehört auch der Umstand, dass die Gesprächsteilnehmer nicht immer mit offenen Karten spielen.

          „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“, sagte Merkel am Freitag auf einer Veranstaltung in Berlin. Sie sagte es nicht zum ersten Mal. Merkel lässt keine Zweifel aufkommen – mindestens sucht sie den Eindruck zu erwecken: Ihr Wille ist es, den Euroraum zusammenzuhalten. „Aber der Wille muss von allen Seiten kommen“, fügte sie jetzt an, wieder einmal, was sie angeblich auch in ihren Gesprächen mit Tsipras immer wieder gesagt hat. „Deshalb finde ich es auch richtig, dass wir immer und immer wieder miteinander sprechen.“ Wie vor Monaten noch in Sachen Ukraine-Krise und Krim-Annexion mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, so hält sie nun seit Wochen mit Tsipras einen ständigen Kontakt. Wann immer Tsipras es wolle, sei sie zum Gespräch bereit, ließ sie ihre Sprecher ausrichten. Eine bockige Gesprächsverweigerung, die jetzt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zwischenzeitlich vorführte, weil ein Verhandlungspapier der griechischen Regierung keine neuen Vorschläge und Zugeständnisse enthalten habe, gehört nicht zu Merkels Verhaltensrepertoire. Ihre Sache ist es nicht, persönliche Enttäuschungen vor sich her zu tragen, diese gar zur Grundlage ihres Handelns zu machen. Schon vor Jahren, als es um erste und zweite Griechenland-Pakete ging, konnte sie erläutern, welch gehöriger Teil ihrer politischen Arbeit der „Rettung“ des Landes zu gelten habe: bis zu einem Drittel. So scheint es auch jetzt wieder gekommen zu sein: Nun steht Griechenland im Mittelpunkt ihrer Arbeit.

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