https://www.faz.net/-gpf-9nf13

Europawahl in den Niederlanden : „Wir würden gerne mehr aus dem Parlament hören“

  • -Aktualisiert am

Das Interesse an den Europawahlen war in den Niederlanden nicht annähernd so hoch wie in Deutschland. Bild: dpa

Etwas mehr Wähler als sonst, weniger Stimmen für rechts und ein Anwärter für das Amt des Kommissionschefs aus dem eigenen Land: Zwei niederländische Erstwähler erzählen von ihren Eindrücken.

          4 Min.

          An einzelnen Masten und Straßenkreuzungen in den beiden Städten Rotterdam und Amsterdam hängen noch einige wenige Plakate. Das ist aber auch alles, was noch einen Hinweis auf die Europawahl gibt. Die Niederländer haben ihre Stimmen bereits am Donnerstag abgegeben, noch am Abend gab es die ersten Hochrechnungen– und auch, wenn erst jetzt die Ergebnisse aus allen EU-Staaten bekannt sind, scheint das Thema unter den Niederländern nicht wieder wirklich zur Sprache zu kommen. 

          16 verschiedene Parteien standen auf dem niederländischen Stimmzettel, knapp 13 Millionen Menschen waren zur Abgabe ihrer Stimme aufgerufen worden, darunter auch Lars van Straaten und Pieter Mons. Beide sind Studenten an der Erasmus Universität in Rotterdam und Erstwähler bei der Europawahl. Im Gespräch mit FAZ.NET teilen sie ihre Sicht auf die allgemeine Stimmung in den Niederlanden, sprechen über ihre Sicht auf die EU, den „Timmermans-Effekt“ und ihren ersten europäischen Wahlgang.

          Pünktlich nach Schließung der letzten Wahllokale in Italien trudelten am Sonntagabend die offiziellen Wahlergebnisse ein. Doch schon die ersten niederländischen Hochrechnungen am Donnerstagabend hatten einige unerwartete Überraschungen in petto: Entgegen vieler Prognosen erzielten die rechtsgerichteten Parteien, darunter die rechtspopulistische Freiheitspartei (PVV) von Geert Wilders weitaus weniger Stimmen, als zunächst erwartet. Wilders wird aller Voraussicht seine Sitze im Europäischen Parlament verlieren. Auch die relativ neue Partei „Forum voor Democratie“ (FvD) von Thierry Baudet konnte, entgegen vieler Vermutungen, lediglich drei Sitze im Parlament auf sich vereinen.

          War’s der „Timmermans-Effekt“?

          Die großen – und für viele überraschende – Sieger der Wahl sind die Sozialdemokraten, die „Partij van de Arbeid“ (PvdA), Partei des Spitzenkandidaten der SEP Frans Timmermans. Sie erzielten rund 18,1 Prozent der Stimmen, was sechs Sitzen entspricht. Lars und Pieter machen hierfür den „Timmermans-Effekt“ verantwortlich. Obwohl die PvdA bei den letzten Parlaments- und Provinzwahlen nicht sonderlich gut abgeschnitten habe, sind nun auf einmal stärkste Kraft geworden. „Ehrlich gesagt waren wir beide etwas überrascht über diesen Wahlausgang“, da waren sich beide einig. Nach dem großen Erfolg der rechtspopulistischen Partei „Forum voor Democratie“ bei den Provinzwahlen im März waren sie beide davon überzeugt, dass die Partei von Thierry Burdait auch auf europäischer Ebene große Erfolge erzielen wird.

          Der Niederländer Frans Timmermans möchte EU-Kommissionschef werden – das kam bei einigen seiner Landsleute gut an.

          Für den Erfolg des „Timmermans-Effekts“ haben beide unterschiedliche Erklärungsansätze. „Timmermans ist durch seine aktuelle Stellung in der europäischen Kommission eine prominente Figur in der nationalen und internationalen Presse, anders als die anderen Abgeordneten im Europäischen Parlament“, sagt Lars. Pieter fügt hinzu, dass auch Timmermanns Bestreben für das Amt des Kommissionspräsidenten eine Rolle gespielt haben könnte: Übernimmt er das Amt, könnten niederländischen Interessen besser vertreten werden, glauben hier manche. Zudem habe Timmermans in den vergangenen Jahren das Herz vieler Niederländer gewonnen, unter anderem durch eine Rede bei der UN zu dem Flugzeugabsturz des Passagierflugzeuges MH17 im Jahr 2014.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Familie flieht am Samstag auf einem Motorrad aus der Region um die Stadt Ras al Ain.

          Nordsyrien : Kurden räumen Grenzstadt zur Türkei

          Die brüchige Waffenruhe nutzen kurdische Einheiten zum Rückzug aus einer umkämpften Stadt. Außenminister Maas nennt den türkischen Angriff völkerrechtswidrig, und in der Nato schließt unter anderem Deutschland den Bündnisfall aus.

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.