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Im Gespräch: Yanis Varoufakis : „Nicht für mein Rockstar-Image verantwortlich“

  • -Aktualisiert am

Yanis Varoufakis Bild: FAZ.NET/Oliver Georgi

Yanis Varoufakis war griechischer Finanzminister, als Athen mit Brüssel um Hilfspakete rang. Jetzt will er ins EU-Parlament einziehen. Ein Gespräch über seine politischen Ziele, „faule Griechen“ und „Nazi-Deutsche“ – und seine Wut auf Günther Jauch nach seinem legendären Mittelfinger-Auftritt.

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          Herr Varoufakis, Sie treten bei der Europawahl für die linke Vereinigung „Demokratie in Europa“ an – in Deutschland, weil sie in Berlin einen Wohnsitz haben. Warum kandidieren Sie nicht in Ihrer Heimat Griechenland?

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Weil ich ein Zeichen setzen will. Unsere Vereinigung „Demokratie in Europa“ ist transnational: Ich trete in Deutschland an, ein Deutscher, Jochen Schult, im Gegenzug in Griechenland. Wir wollen den deutschen, den griechischen und auch allen anderen europäischen Wählern zeigen: Es gab nie einen Kampf zwischen den Griechen und den Deutschen, zwischen dem Süden und dem Norden, es gab immer nur einen Kampf zwischen einer rationalen, progressiven Politik und business as usual. Vor 2008, als die Finanzkrise begann, hat eine Allianz von Oligarchen im eigenen Interesse gigantische private und öffentliche Schuldenberge angehäuft – gegen die Interessen der meisten Bürger in Deutschland wie in Griechenland. Als diese Blase geplatzt ist, lautete das Narrativ, mit dem sie den zynischen Transfer ihrer Verluste auf die Schultern der griechischen und deutschen Steuerzahler begründet haben: „die faulen Griechen“ oder, umgekehrt, „die Nazi-Deutschen“. Da wurde ein Kulturkampf zwischen Nationen heraufbeschworen, den es so nie gegeben hat.

          Viele würden entgegnen, dass Sie ihren guten Teil zu diesem schlechten Verhältnis beigetragen haben – unter anderem durch Ihren Mittelfinger, den Sie 2013 bei einem Vortrag in Zagreb in Bezug auf Griechenlands Schuldner präsentierten und den Günther Jauch 2015 in seiner Talkshow zeigte...

          Diese Sendung von Herrn Jauch war das deutsche Fernsehen in seinem schändlichsten Moment. Ich habe 2013 in dieser Rede in Zagreb Folgendes gesagt: Im Mai 2010 schuldete der griechische Staat den deutschen Steuerzahlern keinen einzigen Cent. Und es ist ein Verbrechen, die Slowenen, die Italiener, die Deutschen für die griechischen Schulden verantwortlich zu machen. Das war immer schon meine Haltung, ich war immer schon kritisch gegenüber der griechischen und der deutschen Regierung und gegenüber Brüssel. Aber die Medien wollten das nicht so transportieren, sie wollten mich dämonisieren, obwohl ich immer völlig proeuropäisch war.

          Sie selbst haben keine Fehler gemacht?

          Natürlich, jeder macht Fehler, auch ich. Ich will über diese Sache aber eigentlich gar nicht mehr reden. Nur so viel: Herr Jauch sollte sich auf ewig und für alle Zeiten schämen; ich bin sehr froh darüber, dass seine Sendung eingestellt wurde. Er hat mich in die Irre geführt. Seine Redaktion hat mich regelrecht dazu gedrängt, an dieser Sendung teilzunehmen – mit folgendem Argument, und ich rate Herrn Jauch, es nicht zu wagen, mir zu widersprechen: Herr Varoufakis, wir wissen, dass Sie proeuropäisch eingestellt sind – mit Ihnen in der Sendung wollen wir die Debatte zwischen den Griechen und den Deutschen versachlichen. Also habe ich zugesagt – und Jauch hat mich mit diesem alten, aus dem Kontext gerissenen Redeausschnitt bewusst fertig gemacht. Herr Jauch hat vorsätzlich Fake News produziert und die Deutschen populistisch gegen die Griechen aufgebracht. Das war schändlich.

          Haben die Deutschen ein falsches Bild von Yanis Varoufakis?

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