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Im Gespräch: Yanis Varoufakis : „Nicht für mein Rockstar-Image verantwortlich“

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Schon möglich, zumindest haben viele Griechen ein falsches Bild von mir. Sie halten mich für einen ausgewiesenen EU-Gegner, obwohl ich das Gegenteil bin. Ich habe schon 2008 geschrieben, dass die deutschen Arbeiter nicht für die griechischen Oligarchen zahlen dürfen. Und ich habe schon vor dem Beginn der Finanzkrise davor gewarnt, dass wir vor einem möglichen Zusammenbruch des Bankensystems in Europa stehen und das Zentrifugalkräfte heraufbeschwören kann, die den Kontinent letztlich zerreißen könnten. Leider können die Medien aber schnell ein falsches öffentliches Bild einer Person erschaffen, von dem man dann lange nicht mehr loskommt.

Aber es spielt doch auch eine Rolle, wie man sich selbst in der Öffentlichkeit gibt. Sie wissen um die Kraft der Provokation, sind als Minister mit dem Motorrad vorgefahren, aufgetreten wie ein Rockstar. Warum machen Sie nur die Medien verantwortlich?

Ich bin doch für mein Rockstar-Image nicht verantwortlich! Ich mag Motorräder, die Zeitschrift „Motorrad“ ist in Deutschland eine meiner Lieblingslektüren. Warum sollte ich mich dafür entschuldigen? Als ich 2015 Finanzminister wurde, bin ich zu Fuß ins Ministerium gelaufen. Dann präsentierte man mir meine künftige Dienstlimousine, einen 7er BMW, fünf Liter Hubraum, gepanzert. Die hat den griechischen Staat 750.000 Euro gekostet. Da habe ich sofort gesagt: Nein, danke, da werde ich nicht einsteigen. Ich fahre weiter mit meinem Motorrad, das ist schneller, schöner und billiger. Ich hätte nie gedacht, dass die Medien das sofort zu einem großen Thema machen würden. Dabei wäre es doch viel schlimmer gewesen, wenn ich mein Motorrad in dem Moment, in dem ich Minister wurde, abgegeben hätte. Wenn ich vorgegeben hätte, jemand zu sein, der ich nicht bin.

Sie haben schon angekündigt, dass Sie das EU-Parlament im Fall Ihrer Wahl nach kurzer Zeit wieder verlassen wollen, wenn im Herbst die griechischen Parlamentswahlen stattfinden. Ist das nicht ein Schlag ins Gesicht jener Wähler, die Sie vielleicht wählen, um dauerhaft Europapolitik zu machen?

Die deutschen Wähler sind sehr klug. Sie verstehen, dass Personen in der Politik nicht so wichtig sind – und das auch nicht sein sollten. Und ich glaube, dass sie Politiker schätzen, die ehrlich und transparent zu ihnen sind und sagen: Seht her, ich mache das nicht aus Karrieregründen und auch nicht fürs Gehalt, ich will nicht ins EU-Parlament, um in einer Limousine zu fahren und ständig zehn Mitarbeiter um mich herum zu haben. Sondern es geht mir darum, die Lage zu verändern. Es ist doch ein Skandal, was in Deutschland passiert.

Podiumsdiskussion mit Yanis Varoufakis (3.v.r.) mit Daniela Platsch, Srecko Horvat und Krisztina Andre (v.l.) am Donnerstag im Frankfurter Theater Antagon

Was meinen Sie?

Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte, Ihr habt gleich vier Überschüsse: einen Handelsüberschuss, einen Haushaltsüberschuss, eine große Liquidität und große Ersparnisse. Und trotzdem glaubt mindestens die Hälfte der Deutschen, dass das Leben heute schwerer sei als vor 15 Jahren. Das liegt auch daran, dass das viele Geld nicht in die Dinge investiert wird, die dringend gebraucht werden – vor allem in gute Jobs, die die Deutschen verdienen. Wenn ich ins Parlament gewählt werden sollte, werde ich den Wählern meine Vorschläge unterbreiten, wie man die Dinge in Europa verbessern kann – und danach werde ich das Parlament verlassen, um Wahlkampf in Griechenland zu machen. Meinen Sitz wird dann Daniela Platsch übernehmen, eine sehr fähige Ökonomin. Ich glaube, die Wähler werden das verstehen.

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