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Weber gegen Timmermans : TV-Duell der Unbekannten

Manfred Weber (l.) und Frans Timmermans beim TV-Duell Bild: dpa

Manfred Weber, Spitzenkandidat der EVP, und sein Kontrahent Frans Timmermans von den Sozialdemokraten bewerben sich für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten – und liefern sich ein munteres TV-Duell.

          Der große Vorteil der beiden Spitzenkandidaten von Christ- und Sozialdemokraten der Europawahl vor fünf Jahren war, dass beide den Deutschen bekannt waren. Der Sozialdemokrat Martin Schulz hatte damals die Bühne des Europaparlaments genutzt, um sich einen Namen zu machen. Der aktuelle Präsident der Europäischen Kommission und Kandidat der konservativen EVP, Jean-Claude Juncker, war jahrelang als luxemburgischer Ministerpräsident und Chef der Eurogruppe präsent. Um ihren Bekanntheitsgrad mussten sich beide vor dem TV-Duell im deutschen Fernsehen keine Gedanken machen.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Das sah am Dienstagabend, als sich der EVP-Spitzenkandidat für das Amt des Kommissionspräsidenten, Manfred Weber (CSU), und der niederländische Sozialdemokrat Frans Timmermans gegenüberstanden, anders aus. Auch die sind schon Jahre auf der EU-Bühne aktiv, Weber als Fraktionsvorsitzender im EU-Parlament und Timmermans als „Erster Vizepräsident“ der Kommission. Dennoch waren beide etwas mehr als zwei Wochen vor dem Wahlgang zwischen dem 23. und 26. Mai vielen unbekannt, als sie sich den Fragen der Zuschauer stellten. Anders als beim Vorgänger-Duell im französischen Fernsehen gab es immerhin keine sprachliche Barriere. Der polyglotte, seit Montag 58 Jahre alte Timmermans spricht fließend Deutsch.

          Es ging munter los in der Kölner Wahlarena. Timmermans machte sogleich klar, dass er kein Interesse an einem kuscheligen Abend hat, wobei ihm die Auftaktthemen Jugendwahlrecht und Klimaschutz in die Hände spielten, um sich von Weber abzugrenzen und zumindest beim Publikum in Köln zu punkten. Wahlrecht für 16-Jährige, das Vorbild Greta Thunberg, eine CO2-Steuer auf europäischer Ebene, keine Kohle mehr in Polen und der Slowakei, listete der Niederländer als Antwort auf die Fragen der vor allem jungen Zuschauer auf. Die EVP sei hier eher der „Dino“, warf er dem 46 Jahren alten Weber vor. Auch für eine Besteuerung von Kerosin warb Timmermans, um den Steuervorteil für klimaschädliche Flugreisen auszugleichen.

          Autoindustrie schuld an schwieriger Situation?

          Der sagte, er wolle die steuerliche Ungleichbehandlung von Bahn, Auto- und Flugreisen beenden. Das sei ein „wunder Punkt“. Ansonsten erinnerte er an die Proteste gegen höhere Steuern in Frankreich und warnte, die Menschen dürften nicht überfordert werden. Der Kampf gegen den Klimawandel müsse so „gemanaged werden, dass am Ende der Tage unsere Arbeitsplätze nicht kaputt gehen, nicht zuletzt in der für Deutschland wichtigen Autoindustrie. Was Timmermans zu den Antwort provozierte, die sei nicht ganz unschuldig an der aktuell schwierigen Situation.

          Auch bei der Frage einer Digitalsteuer für die großen Internetkonzerne tat sich Timmermans sichtlich leichter. Eine Mindeststeuer von 18 Prozent in allen EU-Staaten und grundsätzlich die Abkehr von der Einstimmigkeit in der Steuerpolitik bot er als Antwort an. Weber warb für sein Projekt, mit Einnahmen aus einer solchen Steuer Weiterbildungsprogramme für Menschen zu finanzieren, deren Stellen von der Digitalisierung gefährdet sind.

          Beim Thema Migration hingegen konnte Weber punkten. Grenzsicherung sei der Schlüssel, der Handel ein Instrument, um den Wohlstand in Afrika zu fördern. Wobei er vergaß, seine Forderung nach einem eigenen EU-Kommissar für Afrika anzubringen. Timmermans warb für ein Marshall-Programm für den Kontinent und ein Erasmus-Austauschprogramm für afrikanische Studenten. Auch beim Zugang von Lobbyisten zum Europaparlament, der Einführung einer europäischen Arbeitslosenversicherung und der Frage transnationaler Listen für die Wahlen, beharkten sich die beiden Spitzenkandidaten noch, wenn es dabei auch schnell sichtbar zu technisch für das Publikum wurde.

          Dann aber war es auch schon genug der Kontroverse. Spätestens bei der Frage der Frauenquote für die nächste EU-Kommission waren sich beide einig. Timmermans versuchte noch, mit Kenntnissen der Kölner Musikszene Pluspunkte zu sammeln. Weber erinnerte an das Interrail-Ticket für alle, das auf seine Initiative zurückgehe. Zumindest ein wenig besser dürften die Deutschen Weber und Timmermans nach anderthalb Stunden Wahlquiz nun damit nun doch kennen.

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