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Europawahldebatte : Punktsieger Timmermans

Er weiß in der Debatte noch am ehestens zu überzeugen: der niederländische Sozialdemokrat Frans Timmerman. Bild: Reuters

Es war das einzige gemeinsame Duell aller EU-Spitzenkandidaten. Doch eine Werbung für Europa war es eher nicht.

          „Choose your future!“ – Unter dieses Motto hat das Europaparlament die Europawahl vom 23. bis 26. Mai gestellt hat. Die Botschaft ist klar: Diese Wahl ist eine Schicksalswahl, es geht um unsere Zukunft. Niemand darf sie verpassen. „Choose your future!“ war auch das Motto der einzigen europaweit übertragenen Debatte dieses Wahlkampfs am Mittwochabend. Im Brüsseler Plenarsaal des Europaparlaments, der dafür eigens in eine blau-golden schillernde Wahlkampfarena umfunktioniert wurde, traten die sechs Spitzenkandidaten der wichtigsten EU-Parteienfamilien gegeneinander an.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Dass sich allzu viele Zuschauer dafür interessieren würden, glaubten wohl auch die Veranstalter der Eurovisions-Übertragung nicht wirklich. In Deutschland schaffte es die Debatte nur ins Nischenprogramm Phoenix. Und das war, so muss man wohl sagen, auch besser so. Denn begeisternd war diese Debatte wirklich nicht. Genießbar war sie höchstens für Zuschauer mit ausgeprägtem Interesse an der EU – für jene also, die niemand davon überzeugen muss, dass diese Wahl wichtig ist.

          Sechs EU-Politiker diskutieren in einer europäischen Debatte über Europapolitik: Die Grenzen des Formats liegen auf der Hand. Die Debatte wurde im Wesentlichen auf Englisch geführt (der belgische Linken-Kandidat Nico Cué sprach französisch). Wer der Diskussion nicht in diesen Sprachen folgen konnte, war auf die nicht immer perfekten Dolmetscher angewiesen. Wo die Kandidaten einmal kontrovers diskutierten, verstrickten sie sich sofort in Detaildebatten über Themen, in denen sich nur Brüsseler EU-Aficionados auskennen.

          Allzu oft war man sich ohnehin einig. Da nur Kandidaten jener Parteienfamilien auftraten, die im weiteren Sinne „europafreundlich“ sind, gaben in der Regel nur zwei Teilnehmer abweichende Meinungen zu Protokoll: Der Linke Cué wetterte gegen „Austerität“ und das „Diktat der Märkte“, der tschechische Konservative Jan Zahradil gab zu bedenken, dass nicht alles besser werde, wenn man es europäisch regle. Die anderen vier – der für die Europäische Volkspartei (EVP) antretende CSU-Politiker Manfred Weber, der niederländische Sozialdemokrat Frans Timmermans, die dänische Liberale Margrethe Vestager und die deutsche Grüne Ska Keller – waren sehr schnell mit Phrasen à la „Europa ist die Lösung“ zur Hand.

          Zusätzlich litt die Sendung an einer viel zu statischen Regie. Einer nach dem anderen wurde zu Themen, die vorab bekannt waren, für je eine Minute abgefragt. Viel zu oft spulten die Kandidaten ihre vorbereiteten Statements herunter. Vollkommen überflüssig war der alberne Versuch, die Zuschauer über die sozialen Medien einzubinden. „Tausende“ Zuschauer beteiligten sich, strahlte regelmäßig die zuständige Soziale-Medien-Moderatorin. Wirklich zu Wort kamen diese Zuschauer aber nicht, sie wären im Korsett der Sendung auch unmöglich unterzubringen gewesen.

          Vor allem Weber verliert

          Jeder Kandidat durfte zweimal einem Konkurrenten direkt widersprechen. Zwei-oder dreimal wurde dadurch die ansonsten statische Debatte lebendig – und jedes Mal sah vor allem Weber schlecht aus. Das passierte, als er meinte, die hohe Jugendarbeitslosigkeit in einigen EU-Staaten sozialdemokratischen Politikern – dem EU-Kommissar Pierre Moscovici und den Eurogruppenchefs Jeroen Dijsselbloem und Mário Centeno – in die Schuhe schieben zu müssen. Da konnte Timmermans kühl kontern, er wisse von deren Zuständigkeit für irgendeine Beschäftigungspolitik nichts.

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