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In sieben Großstädten : Zehntausende demonstrieren gegen Nationalismus in Europa

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Das Bündnis „Ein Europa für alle“ hat in zahlreichen Städten dazu aufgerufen, für ein solidarisches Europa auf die Straße zu gehen. Unterstützung bekommt die Aktion auch von einigen Spitzenkandidaten für die Europawahl.

          Eine Woche vor der Europawahl haben bei bundesweiten Großdemonstrationen viele Zehntausend Menschen für die europäische Einigung und gegen Nationalismus demonstriert. Die Veranstalter sprachen am Sonntag von 150.000 Teilnehmern in ganz Deutschland. Allein die nach ihren Angaben größte Veranstaltung in Köln bezifferten sie auf 45.000 Teilnehmer, andere Beobachter gingen eher von 20.000 aus. Auch für andere Orte schätzten Polizei oder Beobachter die Zahlen teilweise geringer ein. Auch in weiteren europäischen Städten gab es Demonstrationen.

           

          Zu den Kundgebungen unter dem Motto „Ein Europa für Alle – Deine Stimme gegen Nationalismus“ hatten mehr als 70 Organisationen und Verbände aufgerufen. In ganz Europa sollte ein Zeichen gegen den internationalen Rechtsruck und für ein Europa der Menschenrechte, Demokratie, soziale Gerechtigkeit und des Klimaschutzes gesetzt werden.

          Die anstehende Europawahl sei eine „Richtungsentscheidung über die Zukunft der Europäischen Union“, hieß es in dem Aufruf. Am Sonntagmorgen rief unter anderen Bundesaußenminister Heiko Maas zur Teilnahme an den Demonstrationen auf. „Macht mit, seid laut! Wir sind die Mehrheit, nicht die Ewiggestrigen und Nationalisten“, schrieb er auf Twitter.

          Nach den Eröffnungsreden zogen die Demonstranten mit Schildern, Luftballons, Fahnen und Transparenten durch die Innenstädte. Viele schwenkten Europaflaggen. In Leipzig war die Aufforderung „Wofür stehst Du? Zeig Haltung! Geh wählen!“ auf den Asphalt gesprüht. In Frankfurt sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) bei der Kundgebung auf dem Opernplatz: „Es ist Wahnsinn, was heute in der Innenstadt los ist.“

          In Köln war Werner Uerdingen aus Leverkusen mit einer großen Europaflagge zum Kölner Dom gekommen. „Ich bin jetzt im 66. Lebensjahr, kenne keinen Krieg“, sagte er. „Ich möchte, dass mein Enkelchen auch die nächsten 60 Jahre Frieden in Europa hat. Und wenn wir jetzt heute nicht dafür sorgen - unter anderem mit dieser Veranstaltung - sehe ich ganz schwarz, wenn die Nationalisten und Populisten da Mehrheiten bekommen im Europaparlament.“

          Die mit 50.000 Teilnehmern bundesweit größte Veranstaltung war eigentlich in Berlin erwartet worden. Dort blieb es aber nach Veranstalterangaben bei 20.000. In München waren laut Polizei rund 10.000 Menschen auf der Straße, die Veranstalter meldeten doppelt so viele. In Frankfurt waren 14.000 (Polizei) bis 16.000 (Veranstalter) auf der Straße, in Hamburg 10.000 (Polizei) bis 15.000 (Veranstalter).

          Auch in anderen europäischen Städten gab es Kundgebungen. In Wien kamen Tausende zu der Demonstration „Ein Europa für Alle“. Die Polizei sprach von 2500, die Veranstalter von 6000 Teilnehmern. In Polen gab es kleinere Kundgebungen unter dem Motto „Schicksal der Frauen, Stimme der Frauen“ in Städten wie Warschau, Krakau und Breslau. Die Organisation Akcja Demokracja wollte damit nach eigenen Angaben vor der Europawahl darauf aufmerksam machen, dass gemeinsame Werte wie Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit in Polen und Europa bedroht seien.

          In Schweden gingen einige Hundert Menschen mit der Parole „Ett Europa För Alla“ auf die Straße. In Stockholm kamen bei trübem Wetter etwa 250 Teilnehmer zusammen, in Göteborg und Malmö jeweils rund 150, wie ein Sprecher der Organisatoren der Deutschen Presse-Agentur sagte.

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