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SPD-Digitalwahlkampf : Vernichtend

Große Kampagne, nicht viel Erfolg: SPD-Spitzenkandidatin Katarina Barley Bild: AFP

Wie die SPD mit einem kindischen Digitalwahkampf junge Wähler abschreckte.

          1 Min.

          Die SPD reagiert auf ihre schwere Wahlniederlage wieder so, wie schon bei den Niederlagen in Bayern und Hessen: Alles sind enttäuscht, klatschen aber innig Beifall für die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten und deren angeblich wunderbare Kampagnen. Katarina Barley, die mit einem anbiedernden Emoji- und Selfie-Wahlkampf nachweislich junge Leute abgeschreckt hat, sagte am Wahlabend, sie sei zwar tief enttäuscht, hielt aber auch ein „Aber“ bereit, das in ihrer Riesenfreude bestand, die Partei mobilisiert zu haben.

          Es seien, so berichtete sie am Sonntagabend zur Verwunderung des Publikums, so viele Menschen zu ihren Veranstaltungen gekommen. Selbst wenn das stimmt, wurden sie nicht davon überzeugt, dass mit der SPD europapolitisch viel los sei.  Andrea Nahles, selbst dem Scheitern nahe, brachte eine neue Kategorie von Bewunderung für Verliererinnen dadurch ein, indem sie lobte, Barley habe ihren „sympathischen und optimistischen Ton“ beibehalten. Besser wäre es gewesen, Barley hätte sich geweigert, als Cover-Girl für eine seichte „Europas ist schön-Kampagne“ herzuhalten.

          Der Wahlkampf der SPD war ganz auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten. Vereinfacht kann man sagen: Mit Hashtags, viel Blau und einer Mädchen-Version von Barley, die in Jeans und Turnschuhen erschien, stürmte die Partei ins Internet. Ein Großteil des SPD-Etats floss in den digitalen Wahlkampf, die fleißigsten Helfer kamen von den Jusos. Eine Social-Media-Expertin von Boulevard- und Onlinemedien mit „Herz für schlechte Witze und guten Rotwein“ (Selbstauskunft) wurde engagiert, um die alte Partei jünger wirken zu lassen.

          Das Ergebnis: vernichtend. Bei Wählerinnen und Wählern unter dreißig Jahren erhielt die SPD zehn Prozent. Noch am Samstag hatte die Kampagnenzentrale rote Herzen und den albernen Hashtag „Sozenliebe“ verbreitet, versehen mit einem liebestrunkenen Smily (rote Herzen als Augen). Dazu der Text: „Leute, ihr seid Wahnsinn“.  Wenn man das wörtlich nähme, käme man der Wahrheit über die Wahlkampfführung und den Zustand der Partei vermutlich nahe.  

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

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