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Wie SPD und CDU die Jungen verloren : Alles Rezo, oder was?

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Eine interessante Ausnahme bildet dabei die Wahl 1999 – die erste nationale Wahl nach der Kanzlerwahl Gerhard Schröders: 1999 waren es „nur“ acht Punkte, der ruckelige Start der rot-grünen Regierung wohl dafür verantwortlich. Und 2019? 12 Prozent bei den Erstwählern, 40 Prozent in der Gruppe 60plus. Ergo ergibt sich eine Differenz von satten 28 Prozentpunkten und die damit mehr als 10 Punkte über dem Durchschnittswert der früheren Wahlen liegt. Rezo hin oder her – nie waren sich Alt und Jung weniger einig, was die Union aus CDU und CSU betrifft. Für die Union war das Ergebnis 2019 außergewöhnlich.

Und die SPD? Sie ist auch hier mal wieder ein spannender Fall, denn bei der ersten Europawahl 1979 erhielt sie noch fünf Prozentpunkte mehr von Erst- als von älteren Wählern. 1984 und 1989 gab es dann keinen Unterschied. Seitdem wird die Lücke tendenziell größer, die SPD verliert an Rückhalt bei den Erstwählern.

2019 gilt ähnlich wie bei der Union: Nie war die Lücke zwischen Jung und Alt größer. Aber mit 14 Prozentpunkten ist die Lücke nur unwesentlich größer als bei der Wahl 2014, als sie bei 11 Prozentpunkten lag. Insgesamt zeichnet sich hier eher ein Trend nachlassender Unterstützung bei Erstwählern ab, weniger ein punktueller Einschlag.

Die Grünen haben alle Altersklassen mitgenommen

Hat Rezo den Grünen den Wahlsieg gebracht? Zumindest das resultierende Muster spricht dagegen. Die Grünen genossen schon immer mehr Rückhalt bei Jung als bei Alt. 1984 etwa erhielten sie 20 Prozent bei den Erstwählern, magere 2 Prozent bei den Wählern 60plus, ein Unterschied von 18 Punkten also. Und 2019? 20 Punkte. 34 Prozent bei den Erstis, 14 Prozent bei den älteren Wählern. Auch in den Jahren dazwischen liegen die Werte – mit der zur Union spiegelbildlichen Ausnahme des Wahljahres 1999 – immer zwischen 10 und 20 Punkten. Die Grünen sind im Laufe der Zeit im Fahrstuhl nach oben gefahren, haben dabei aber alle Altersklassen mitgenommen. Die (tendenziell junge) Struktur ihrer Wählerschaft hat sich dadurch kaum verändert.

Ein Blick auf die sonstigen Parteien – und dazu zählt hier aufgrund der Jugend der Partei auch die AfD – zeigt die gewachsene Experimentierfreudigkeit der Jugend im Laufe der Zeit. 1979 entfiel insgesamt auf sonstige Parteien überhaupt nur weniger als ein Prozent der Stimmen. 2014 waren es schon 16, am vergangenen Wahlsonntag gar 24 Prozent. Und mit diesem Anstieg wächst auch der Unterschied zwischen Jung und Alt.

30 Prozent erhielten sonstige Parteien bei den Erstwählern, 15 Prozent bei den Wählern 60plus. Ein Unterschied von 15 Punkten also. Aber auch hier zeigt sich mehr Trend als Schock, denn auch vor fünf Jahren waren es schon 12 Prozent.

Alles Rezo 2019? Das wäre offenkundig zu einfach. Ja, das Abschneiden der Union bei den Erstwählern im Vergleich zu den älteren war außergewöhnlich schlecht, vor allem noch viel schlechter als bei den Wahlen zuvor. Bei anderen Parteien zeichnen sich dagegen längerfristige Trends ab – negativ bei der SPD, positiv bei sonstigen Parteien.

Und bei den Grünen ragt die Wahl 2019 kaum heraus. Die Grünen genießen seit 1979 stabile Unterstützung bei Erst- und Jungwählern. Und bei Linken und FDP sieht man praktisch nichts, zumindest wenn es um die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Alter und ihrem Wahlergebnis geht. It’s complicated.

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