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Europawahl in Italien : Ein Mussolini kandidiert

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Die Parteichefin der italienischen Partei „Fratelli d'Italia“, Giorgia Meloni, spricht im März 2019 bei einer Konferenz in den Vereinigten Staaten. Bild: EPA

Bei der Europawahl kandidiert ein Urenkel des italienischen Diktators Benito Mussolini für eine rechtsnationale Partei. Im Vordergrund der Kampagne des selbsternannten „Post-Faschisten“ stehen vor allem die Interessen Italiens.

          Caio Giulio Cesare Mussolini kandidiert für die rechtsnationale italienische Partei „Fratelli d’Italia“ für die Europawahl. Der Urenkel des italienischen faschistischen Diktators Benito Mussolini sieht in seinem Familiennamen eine starke Marke. „So viele wollen „Mussolini“ auf ihre Wahlzettel schreiben. Deshalb habe ich entschieden, dass das Motto meiner Kampagne #ScriviMussolini (schreib Mussolini) ist. Und ich muss sagen, es gefällt“, sagte er der römischen Zeitung „Il Messaggero“ (Dienstag).

          Parteichefin Giorgia Meloni habe ihn nicht nur wegen seines Namens ausgewählt, sondern „für das, was ich in meinem Leben gemacht habe: Offizier bei der Marine, Manager von großen Unternehmen, zwei Uniabschlüsse, viel internationale Erfahrung“. Fratelli d’Italia hatten bei der Parlamentswahl letztes Jahr rund vier Prozent bekommen.

          Der ehemalige U-Boot-Offizier leitet heute ein Unternehmen in den Arabischen Emiraten. Er sei nie politisch aktiv gewesen, habe aber sein ganzes Leben lang Politik „geatmet“, sagte Mussolini. Er bezeichnete sich selbst als „Post-Faschisten“, der faschistische Positionen in einer „nicht-ideologischen Weise“ vertrete. Sollte er ins Europaparlament gewählt werden, werde er italienische Interessen „bei jeder meiner Handlungen und jeder Abstimmung“ verteidigen.

          Welche Rolle spielte der Nachname?

          Der gebürtige Argentinier ist der Ansicht, dass er nicht wegen seines Nachnamens, sondern wegen seines Vornamens, seines Pflichtbewusstseins und seiner internationalen Erfahrung aufgestellt wurde. Caio Giulio Cesare ist die italienische Form von Gaius Julius Cäsar, dem ehemaligen römischen Feldherrn. Der Name kommt in Italien nicht häufig vor, ist aber auch keine Seltenheit.

          Mussolini (1883-1945) war im Zweiten Weltkrieg enger Verbündeter von Adolf Hitler und führte die Rassengesetze in Italien ein. Kritiker werfen Italien seit langem mangelnde Aufarbeitung des Faschismus vor. Vielerorts kann man noch Mussolini-Memorabilia kaufen oder „Duce“-Denkmäler sehen. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Mussolini-Nachkomme bei einer Wahl in Italien antritt. Der 50 Jahre alte Mussolini ist entfernter Verwandter von Alessandra Mussolini, Enkelin des faschistischen Diktators Benito Mussolini. Sie gehört seit 2014 dem Europaparlament an.

          Zuletzt hatte der italienische Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani, mit einer Bemerkung über Mussolini Empörung ausgelöst. Der habe vor der Einführung der Rassengesetze und vor der Kriegserklärung „an die ganze Welt“ auch „einige positive Dinge getan“, sagte Tajani Mitte März.

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