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Missbrauchsdebatte in Polen : Abstoßende Doppelmoral

Aktivisten haben im Februar in Danzig die Statue eines Priesters niedergerissen, dem sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen wird. Bild: EPA

Kritik an der Kirche setzt die polnische Regierungspartei mit Landesverrat gleich. Und genauso sind auch die Reaktionen der PiS auf die Debatte um sexuellen Missbrauch durch Priester. Bei der Europawahl könnte das für sie zum Problem werden.

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          Unter Berufung auf die Lehre der katholischen Kirche und mit ihrer Unterstützung agitiert Polens Rechte gegen sexuelle Minderheiten. Sie setzt die Diskriminierung Homosexueller mit dem Schutz christlicher Werte und der Familie gleich. Kritik an der Kirche setzt Jaroslaw Kaczynski, der Führer der Regierungspartei PiS, mit Vaterlandsverrat gleich.

          Und genauso sind auch die Reaktionen seiner Partei auf einen Dokumentarfilm ausgefallen, der in Polen seit Tagen für Furore sorgt, weil er belegt, wie polnische Bischöfe sexuellen Missbrauch durch Priester systematisch vertuscht haben.

          Im Endspurt des Europawahlkampfs kann das für PiS nun zu einem ernsten Problem werden. Vor allem aber entlarvt dieses Verhalten die abstoßende Doppelmoral dieser Verteidiger „traditioneller Werte“, die vorgeben, Kinderseelen gegen die Sittenlosigkeit einer offenen Gesellschaft zu verteidigen, die Menschen jeder sexuellen Orientierung und Identität akzeptiert.

          Das polnische Beispiel zeigt einmal mehr, wovon wirklich Gefahr ausgeht: von autoritären Organisationen mit einer starren Ideologie.

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