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Europawahl auf Instagram : Willst du mit mir wählen?

  • -Aktualisiert am

Diese zwei Strohfiguren haben sich für die Ehe entschieden – ob sie auch wählen würden, wenn sie könnten? Bild: dpa

In zweieinhalb Wochen beginnen die Europawahlen. Dazu finden sich in den sozialen Medien gerade zahlreiche Beiträge mit dubiosen Heiratsanträgen. Was steckt dahinter?

          Heiratsanträge generieren Aufmerksamkeit, besonders in den sozialen Medien. In den vergangenen Jahren haben immer mehr Nutzer online von ihrem Heiratsantrag berichtet, Fotos dazu veröffentlicht oder ihren Verlobungsring gezeigt. Auf Instagram finden sich derzeit zahlreiche Beiträge von, wie es auf den ersten Blick scheint, Heiratsanträgen, inklusive überraschter Gesichter und Kniefällen mit Ring. Doch bei genauerer Betrachtung entpuppen sie sich gar nicht als Vorschlag, gemeinsam den Bund der Ehe einzugehen; tatsächlich geht es um die Europawahl im Mai. 

          Die Bildunterschriften der Beiträge, auf denen einige der Nutzer EU-Pullover tragen und den Antrag mit Ringen aus Papier machen, beinhalten die Einladung, gemeinsam bei der Europawahl wählen zu gehen. Grund hierfür ist eine Kampagne der Initiative „Kleiner Fünf“. Unter dem Hashtag #Proposals4Europe werden Nutzer dazu aufgefordert, jemandem einen Antrag, gemeinsam wählen zu gehen, zu machen.

          Schon bei der Europawahl 2014 hat sich abgezeichnet, dass das Interesse an europäischen Wahlen eher gering ausfällt: Die Wahlbeteiligung lag insgesamt bei nur etwa 43 Prozent, in Deutschland bei rund 48 Prozent. Das möchte die Initiative „Kleiner Fünf“ nun ändern und mit ihrer Aktion mehr Menschen dazu animieren, dieses Jahr ihre Stimme abzugeben. „Kleiner Fünf“ hatte die Kampagne am 23. April, also genau einen Monat vor den Wahlen, gestartet. Die Europawahlen beginnen am 23. Mai und dauern bis zum 26. Mai, den Anfang machen die Niederlande und Großbritannien, Deutschland wählt am Sonntag den 26. Mai.

          „Wir wollen besonders Erst- und Nichtwähler mobilisieren“, erzählt Tobias Gralke, Vorstandsvorsitzender des Trägervereins, im Gespräch mit FAZ.NET. Umfragen zeigten, dass gerade der Anteil der Erstwähler bei den vergangenen Wahlen viel niedriger gewesen sei, als der der anderen Altersgruppen. „Außerdem wollen wir die Leute zurückgewinnen, die eigentlich proeuropäisch eingestellt sind, aber das Gefühl haben, ihre Stimme wird nicht gehört“, sagt Gralke. 

          Die Idee zu der Kampagne sei eigentlich schon vor der Bundestagswahl 2017 entstanden, damals habe es die Kampagne auf einem kleineren Level gegeben. Das hat laut Gralke so gut funktioniert, dass sie sich in diesem Jahr entschieden hätten, die Kampagne für die Europawahl auszudehnen. 

          Die Initiative „Kleiner Fünf“ wurde 2016 von dem Verein Tadel verpflichtet! e.V gegründet. Ihr erklärtes Ziel war es damals, weniger als fünf Prozent für rechtspopulistische Parteien bei der Bundestagswahl 2017 zu erreichen, daher auch der Name. Auf ihrer Instagram-Seite heißt es in der Beschreibung: „Für Demokratie, gegen Rechtspopulismus – mit radikaler Höflichkeit“. Dieses Ziel will die Initiative mit zivilgesellschaftlichen Kampagnen und Bildungsangeboten erreichen. Finanziert wird die Initiative größtenteils über Spenden, ehrenamtliche Mitarbeit und vereinzelte Projektgelder, sagt Gralke.

          Mittlerweile erreicht die Aktion #Proposals4Europe auch Menschen außerhalb Deutschlands. Im Internet finden sich unter dem Hashtag Beiträge aus Brüssel, Mailand, Athen, London oder dem Europaparlament in Straßburg. Auf der Homepage der Kampagne wird erklärt, wie die Aktion abläuft. Dort finden sich Papiervorlagen mit Hashtags, auf denen Begriffe wie #democracy, #culturaldiversity, #europeunited und #europeansolidarity stehen. Hat man die Papiervorlage heruntergeladen und ausgeschnitten, kann sie zu einem Ring gefaltet werden. Nachdem der oder die Zukünftige auserwählt und ihm oder ihr die Frage „Willst du mit mir wählen?“ gestellt worden ist, soll ein Foto des Antrags unter dem Hashtag #Proposals4Europe auf Instagram oder Twitter hochgeladen werden.

          Ziel der Kampagne ist es, neben der Mobilisierung der Wähler, Begegnungen zu stiften und Gespräche über Europa anzuregen. „Wir wollen, dass die Kampagne Bürger dazu anregt, Vorschläge darüber machen, was das Europa braucht, in dem sie leben wollen“, sagt Gralke.

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