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Grüne zum Europaerfolg : „Wir sind ein Kampfkaninchen“

Robert Habeck (rechts) und Sven Giegold am Montag in Berlin Bild: EPA

Dass zwei Männer auftreten, kommt bei den Grünen selten vor. Nach dem fulminanten Erfolg bei der Europwahl versichern Sven Giegold und Robert Habeck: Für Symbolpolitik stehe ihre Partei nicht zur Verfügung.

          Sven Giegold sucht noch nach dem richtigen Begriff für die künftige Rolle der Grünen. Angesichts der erstarkten Rechtspopulisten im Europaparlament sei es keine Lösung, wie ein Kaninchen auf die Schlange zu starren, das mache die Schlange nur stärker, hatte der Spitzenkandidat gesagt. „Wir sind ein Kampfkaninchen“, ruft Robert Habeck, der Parteivorsitzende. Giegold überlegt, wie man das Wort ins Französische übersetzt, lapin luttant vielleicht? Kaninchen dürfe man jedenfalls nicht gering schätzen, so Habeck, „sind Sie schon mal von einem gebissen worden?“ Allerdings, so wendet eine Journalistin ein, habe sie auch noch nie ein Kaninchen gesehen, dass etwas bewegt habe. Habeck und Giegold brechen in Gelächter aus.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Die Stimmung ist gut am Morgen nach der Europawahl, die den Grünen ein Ergebnis von 20,5 Prozent beschert hat. So gut hat die Partei noch nie bei einer bundesweiten Wahl abgeschnitten. Da erlauben sich auch die Grünen ein paar Scherze über Kaninchen. „Kurz kann man sich freuen“, sagt Habeck, wird aber schnell wieder ernst: „Wir wissen, dass wir Hoffnungen wecken, die erfüllt werden müssen.“ Er spricht von einem „Vertrauensvorschuss“, „der uns demütig macht“. Seine Partei habe mit dem Ergebnis den Auftrag bekommen haben, eine orientierungsgebende Kraft zu sein. „Wir sind ins Zentrum der politischen Debatte eingerückt.“ Die Grünen seien mit ihren 80.000 Mitgliedern personell und strukturell schwächer ausgestattet als die anderen Parteien. Daher sei das eine „immense Aufgabe“, der sich die Grünen aber stellen wollten. „Wir wissen, dass wir liefern müssen“, sagt Habeck.

          Was das auf Europa bezogen heißt, erklärt Sven Giegold so: „Wir brauchen einen europäischen Aufbruch beim Klimaschutz“. Nur unter dieser Bedingung werde man einen Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten unterstützen. Für Symbolpolitik stehe die Partei nicht zur Verfügung. Wenn die europäischen Grünen Teil der Mehrheit sind, werden sie einen der relevanten Posten der EU für sich fordern.

          Und wie wollen die Grünen in der Bundespolitik liefern? Kann man aus der Opposition heraus mehr tun als die Regierung in Klimafragen vor sich hertreiben? Habeck gibt hier keine klare Antwort. „Wir wollen die Gesellschaft nicht wuschiger machen, sondern Halt und Vertrauen stärken“, sagt er. Es sei ein Trugschluss, dass alles gleich bleibe, wenn man nichts ändere. Die Verhältnisse änderten sich in jedem Fall, den Grünen gehe um die Möglichkeit, die Veränderungen zu steuern. Habeck ist vor allem auf der Metaebene stark, und die verlässt er ungern. Daher muss er sich immer wieder fragen lassen, ob ihm der unbedingte Wille zur Macht fehle? Das weist er am Montag von sich – wobei ihm der Begriff „unbedingter Wille zur Veränderung“ natürlich lieber ist. Dann kommt er doch mit einem Beispiel, wie Grüne liefern: Es geht um Bündnisse, die er als Umweltminister in Schleswig-Holstein geschlossen hat. Heißt liefern also, dass man möglichst schnell Teil der Regierung wird?

          Dass zwei Männer auftreten, kommt bei den Grünen selten vor. Keine Partei setzt so sehr auf Parität von Männern und Frauen in den eigenen Reihen. Giegold hat eine Erklärung parat: Spitzenkandidatin Ska Keller kümmere sich in Brüssel um die Machtfragen, er mache den „Zirkus in Berlin“.

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