https://www.faz.net/-gpf-9nf6c

Wahlsieg in Frankreich : Gelbe Westen für Le Pen

Doch setzte ein Viertel der Jungwähler lieber auf das „Original“ EELV. Der grüne Spitzenkandidat Yannick Jadot nannte sein Ergebnis „eine wunderbare Zukunftsbotschaft“ und sprach von einer „grünen Welle in Europa“. In der Altersgruppe von 25 bis 34 Jahren stimmten laut Umfrageinstitut Ipsos 28 Prozent für EELV. Die Erst- und Jungwähler bis 34 Jahre trugen maßgeblich dazu bei, dass die Wahlbeteiligung in Frankreich anstieg. 2014 gingen 27 Prozent von ihnen zur Wahl, dieses Mal waren es 40 Prozent.

Insgesamt stieg die Wahlbeteiligung laut amtlichem Endergebnis des Innenministeriums auf 50,12 Prozent der Wahlberechtigten. 2014 lag sie bei 42 Prozent. Präsident Macron hat das selbstgesetzte Ziel verfehlt, als stärkste Kraft abzuschneiden. „Ich werde alles tun, damit der RN nicht die Spitzenposition erhält“, hatte Macron beim EU-Sondergipfel in Hermannstadt (Sibiu) gesagt.

Macron bleibt nach knapper Niederlage ruhig

Doch die befürchtete Abstrafung seiner Politik durch die Wähler blieb aus – trotz monatelanger „Gelbwesten“-Proteste und der Affäre um seinen Sicherheitsmann Alexandre Benalla. Der Vorsprung des RN-Spitzenkandidaten Jordan Bardella vor der Renaissance-Kandidatin Nathalie Loiseau ist mit 0,9 Punkten oder 205.213 Stimmen so knapp, dass Macron nicht unter Handlungsdruck steht. Im Falle eines Brexits entsenden beide Parteien 23 Abgeordnete in das EU-Parlament.

Hätte seine Spitzenkandidatin Loiseau sich geschickter angestellt und die europäisch gesinnte Zentristenpartei UDI nicht durch Überheblichkeit zu einem Alleingang bewogen, wäre Renaissance der Spitzenplatz sicher gewesen. UDI-Spitzenkandidat Jean-Christophe Lagarde kam auf 2,5 Prozent und scheiterte an der in Frankreich geltenden Fünfprozenthürde. Aus dem Elysée-Palast hieß es, dass Macron seine Reformpolitik „intensivieren“ wolle. Noch in diesem Jahr soll eine Rentenreform und eine Reform der Arbeitslosenversicherung auf den Weg gebracht werden.

Einen Wechsel an der Regierungsspitze lehnte der Präsident ebenso wie eine Regierungsumbildung ab. Die von Marine Le Pen am Wahlabend wie schon 2014 geforderte Auflösung der Nationalversammlung hatte Macron ohnehin nicht in Erwägung gezogen. Aber er ermahnte seine Anhänger zu Bescheidenheit. Finanzminister Bruno Le Maire war dadurch aufgefallen, dass er sagte: „Das ist kein Sieg, aber ein Erfolg.“

Republikaner müssen umdenken

Die Wählerbasis Macrons hat sich seit den Präsidenten- und Parlamentswahlen im Frühsommer 2017 verändert. So hat das Meinungsforschungsinstitut Ifop ermittelt, dass Macrons Bewegung inzwischen von mehr als 80 Prozent der Sympathisanten der gemäßigten Rechten gewählt wird. Verluste gab es hingegen bei früheren sozialistischen Wählern, die 2017 für Macron gestimmt hatten.

Die Republikaner stehen hingegen vor einer neuen Zerreißprobe. LR-Chef Laurent Wauquiez stand mit seiner Rückbesinnung auf die traditionalistische katholische Stammwählerschaft schon vor der Wahl in der Kritik. Nach dem schlechten Abschneiden Bellamys fordern etliche Parteigranden eine Neuausrichtung. „Wir brauchen eine ideologische Revolution“, sagte Kampagnendirektor Geoffroy Didier. Wenn die Partei weiterhin in gesellschaftlichen Fragen wie der Homo-Ehe und der Abtreibung in Ablehnung verharre, könnte sie „sterben“.

Weitere Themen

Topmeldungen

Machtdemonstration: Ein Konvoi russischer gepanzerter Fahrzeuge fährt auf einer Autobahn auf der Krim. .

Russischer Aufmarsch : Die Ukraine ist von drei Seiten umstellt

Westliche Dienste sehen mit Unruhe, wie Moskau immer mehr Truppen an die Grenze zur Ukraine verlegt – auch über Belarus und das Schwarze Meer. Mit ihren Waffen sind die Russen schon jetzt überlegen.