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Die ÖDP in der Europawahl : Wir steigern das Brutto-Glücksprodukt

  • -Aktualisiert am

Bindungsfähig: Der ÖDP-Bundesvorsitzende Sebastian Frankenberger im Wahlkampf Bild: Slesiona, Patrick

Ohne die Dreiprozenthürde machen sich bei der Europawahl auch kleinste Parteien Hoffnungen. So wie die ÖDP. Die ist konservativ, grün - und bezeichnet sich als „idealistisch“.

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          Die Käserei ist kein Ort, um etwas über Probleme zu erfahren. Hinter der blitzblanken Fabrikhalle erhebt sich in der Ferne der Schwarzwald. Vor der Halle steht Sebastian Frankenberger, Bundesvorsitzender der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP). Braunes Jackett, Jeans, die dunklen Haare zum Zopf gebunden. Frankenberger ist auf Wahlkampfbesuch bei einer Bio-Käserei in Teningen, einer kleinen Gemeinde nördlich von Freiburg. Er will wissen, was seine Partei in Europa für das Unternehmen tun kann, ob Brüssel Probleme bereitet.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Er erfährt: Die Deutschen konsumieren zurzeit offenbar viel hochpreisigen Ziegenkäse. Die Käserei wachse seit Jahren, erzählt ein Mitarbeiter, 600.000 Liter Milch würden jährlich verarbeitet. Das größte Problem sei es, genügend Bio-Bauern zu finden, die Ziegenmilch liefern. Allenfalls einige EU-Richtlinien bereiteten Schwierigkeiten, Hygienestandards etwa, die für Großkonzerne entworfen worden seien. „Das nehmen wir mit“, sagt Frankenberger. Er meint: ins Europaparlament.

          Wenn es äußerst gut läuft, kommt Frankenberger ins Parlament

          Die ÖDP hat seit ihrer Gründung 1982 noch nie den Sprung in ein überregionales Parlament geschafft. Nachdem die Dreiprozenthürde für die Europawahl vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde, hofft sie wie andere Kleinstparteien auf Mandate. 2009 wären ohne die Hürde - damals waren es noch fünf Prozent - unter anderen die Republikaner, die Tierschutzpartei und die Familienpartei ins Europäische Parlament gekommen. Mit 0,5 Prozent knapp auch die ÖDP - mit einem Abgeordneten. Wie viele Stimmen für einen Einzug notwendig sind, hängt davon ab, wie die anderen Kleinen abschneiden. Jetzt, so hofft man in der ÖDP, fürchten die Wähler nicht mehr, dass ihre Stimmen verlorengehen. „Wenn es äußerst gut läuft, haben wir zwei Plätze“, sagt Frankenberger.

          Auf Platz zwei der ÖDP-Europawahlliste steht er selbst. Frankenberger hat in Bayern ein Volksbegehren initiiert, das 2010 zu einem vollständigen Rauchverbot in Gaststätten führte. Danach wurde er an die Spitze der Partei gewählt und schrieb seine Autobiographie. Mit 30 Jahren. „Volk, entscheide! Visionen eines christlichen Polit-Rebellen“.

          Frankenberger hat mal ein Lehramtsstudium der Mathematik abgebrochen, ebenso ein Theologiestudium. Sein Traumberuf, sagt er, sei immer noch Pfarrer. Jetzt führt er ein kleines Unternehmen, das Stadtführungen anbietet, und tourt als „Reisevorsitzender“ durch Deutschland. Oder zumindest in die Städte, in denen die Kleinstpartei Ortsverbände besitzt.

          Überall, wo Frankenberger an diesem Tag vorbeikommt, ist das politische Feld aber schon abgesteckt. Als die Mitarbeiter der Käserei nach Tipps für die Kommunalpolitik gefragt werden, antwortet einer, er sei schon im Gemeinderat. Für die „andere grüne Partei“.

          Das politische Feld ist bereits abgesteckt

          Später steht Frankenberger zusammen mit dem örtlichen ÖDP-Kandidaten für die Gemeinderatswahl, Michael Kefer, am Ufer des Rheins. Kefer ist Religionslehrer, trägt Ohrring und ein orangefarbenes Hemd. Das ist die Parteifarbe. Kefer führt Frankenberger zu einem Stein, dem „Mahnmal“ für den Protest gegen das Atomkraftwerk Wyhl. „Alles, was jetzt hier Wald ist, wäre weg“, sagt Kefer. Hinter ihm quaken Frösche.

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