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Die ÖDP in der Europawahl : Wir steigern das Brutto-Glücksprodukt

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Anfang der siebziger Jahre sollte hier ein Atomkraftwerk entstehen. Es ist ein Gründungsort der Anti-Atom-Bewegung - und somit auch ein Gründungsort der Grünen. „Am Anfang stand Wyhl, am Ende Fukushima“, hat der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir einmal gesagt.

Im Landkreis Emmendingen haben die Grünen bei der Landtagswahl 2011 mehr als 30 Prozent erhalten. Die ÖDP 1,5 Prozent. „Wir sind keine Konkurrenz zu den Grünen, sondern eine Ergänzung“, sagt Frankenberger. Die ÖDP habe etwa im Bereich der Familien- und der Wirtschaftspolitik völlig andere Vorstellungen. Frankenberger, der wie etwa zwei Drittel der rund 6000 Parteimitglieder aus Bayern kommt, aus Passau nämlich, war früher mal CSU-Mitglied.

Langsamer und geborgener soll es sein

Wertebewahrend sei die Politik der ÖDP, sagt er. Das verbindet die Partei mit einem Erziehungsauftrag. „In einer Zeit, in der alles immer schneller und globalisierter wird, setzen wir dem ganz bewusst etwas entgegen: eine Langsamkeit, Geborgenheit“, sagt Frankenberger. Die ÖDP wolle eine „Herzkompetenz“ fördern, die Menschen sollten „bindungsfähig“ sein, soziale und empathiefähige Wesen werden. Dafür seien die ersten Lebensjahre entscheidend. Daher setze sich die ÖDP für ein „Erziehungsgehalt“ ein: 1000 Euro im Monat für jedes Kind statt Kindergeld und Kitaförderung.

Frankreich gegenüber: Der örtliche ÖDP-Politiker Michael Kefer mit Frankenberger am Rhein bei Wyhl

Das ist einer der konkreteren Vorschläge der Partei. Ansonsten bleibt vieles vage. Im Grundsatzprogramm ist ein Baum abgebildet: an den Wurzeln die „Achtung vor dem Leben“, der Stamm die Familienpolitik, umschrieben mit „Bindung und Bildung“, die Zweige sind Gerechtigkeit, Demokratie und „Wohlstand ohne Wachstumszwang“.

Ein glücklicher Mensch macht weniger Probleme

Die Partei habe das Ziel, nicht mehr ein Bruttoinlandsprodukt zu berechnen, sondern ein „Brutto-Glücksprodukt“, sagt Frankenberger. „Wir brauchen ein ,weniger ist mehr‘, eine Neudefinition von Wohlstand.“ Die ÖDP sei halt eine „idealistische Partei“. Viele Probleme lösten sich langfristig ja dadurch auf, dass man durch ihre Politik einen glücklicheren Menschen bekäme.

Bei einem Vortrag in einem Restaurant in Emmendingen spricht Frankenberger später zum Thema „Mensch vor Wirtschaft“. Er fragt die etwa 20 überwiegend älteren Zuhörer, was sie hören wollen. Einer fordert, die Wirtschaft müsse auch geistig gefüllt werden. Ein anderer, der barfuß gekommen ist, will etwas zum Freihandelsabkommen TTIP hören. Dazu spricht Frankenberger dann, warnt vor Chlorhühnchen und amerikanischer Paralleljustiz. Die Europäische Kommission gefährde in Geheimverhandlungen die Demokratie. „Europa ja, aber“, sagt er. „Ein ganz großes Aber.“

Eigentlich heute Energieunternehmer: Frankenberger mit dem Ehepaar Schmidt im Stall in Teningen

Der Wahlkampf führt ihn auch auf den „Heidenhof“, einen Bauernhof am Ortsrand von Teningen. Wieder fragt er nach Problemen, die Brüssel bereite. Sylvia und Ralf Schmidt, das Ehepaar, das den Hof führt, lebten einst vom Milchvieh. Jetzt trägt die Biogasanlage zwei Drittel des Umsatzes. Eigentlich sind die beiden Energieunternehmer. 200 Stück Mastvieh hätten sie noch. Konventionell. Frankenberger hätte es lieber ökologisch. „Das ist natürlich am schönsten, aber nicht überall machbar“, antwortet die Landwirtin. Frankenberger fragt auch, ob sie Ratschläge für die kommunale Arbeit hätten. Landwirt Schmidt aber sitzt auch schon im Gemeinderat - für die Freien Wähler.

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