https://www.faz.net/-gpf-9ngmb

Merkel und Weber : Gretchenfrage

Kämpft für Manfred Weber als nächsten EU-Kommissionspräsidenten: Angela Merkel mit Weber bei der Abschlusskundgebung vor der Europawahl am vergangenen Freitag in München Bild: dpa

Wenn Manfred Weber Kommissionspräsident werden will, braucht er maximale Fürsprache im Rat und breite Rückendeckung im Parlament. Riskiert Angela Merkel seinetwegen den offenen Dissens mit Macron?

          Bleibt es bei den Festlegungen, dann läuft die Entscheidung über die Juncker-Nachfolge auf einen Machtkampf zwischen Europaparlament und Europäischem Rat, dem Gremium der Staats- und Regierungschefs, hinaus. Die meisten Fraktionen des Parlaments verlangen, dass nur neuer Kommissionspräsident werden könne, wer Spitzenkandidat war.

          Der Rat will keinen Automatismus akzeptieren, sich dem Parlament nicht verfassungspolitisch unterwerfen. Das Parlament könnte seine Position dadurch stärken, dass es sich mit breiter Mehrheit auf einen Kandidaten einigt. Doch danach sieht es im Moment nicht aus. Volkspartei, Sozialdemokraten und Liberale halten an ihren „Favoriten“ fest; besonders unverdrossen tun das die Sozialdemokraten, obwohl deren Verluste noch größer sind als die der EVP.

          Wenn deren Spitzenkandidat, der CSU-Politiker Weber, das Rennen machen soll, braucht er maximale Fürsprache im Rat und breite Rückendeckung im Parlament. Er wird also Angebote machen müssen. Die eigentliche Frage lautet: Riskiert die Bundeskanzlerin wegen Weber den offenen Dissens mit Präsident Macron?

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erdgas-Streit mit der EU : „Erdogan fährt eine Kamikaze-Politik“

          Die EU-Außenminister haben Sanktionen gegen die Türkei erlassen, weil sie vor der Küste von Zypern nach Gas bohrt. Ökonomieprofessor Erdal Yalcin spricht im F.A.Z.-Interview über die Abhängigkeit Ankaras und den Rückhalt für Erdogan.

          Von der Leyen in Straßburg : Flucht nach links

          In ihrer Bewerbungsrede ringt Ursula von der Leyen vor allem um die Zustimmung von Sozialdemokraten und Liberalen. Ihre Chancen auf einen Wahlerfolg am Abend dürften gestiegen sein – dank ihres engagierten Auftritts. Eine Analyse.
          Bundeskanzler Konrad Adenauer (links) und Ludwig Erhard im September 1963 in Bonn

          Nachkriegszeit : Wie sich die CDU vom Sozialismus abwandte

          Nach dem Krieg forderte die CDU die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien. Dann kam Ludwig Erhard – und mit ihm vor genau 70 Jahren die politische Kehrtwende hin zur Marktwirtschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.