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Brexit-Parteichef : Die Wiederauferstehung des Nigel Farage

Keine modische Anbiederung: Farage mit Anzug und Krawatte Bild: Reuters

Nigel Farage hat das Brexit-Referendum erzwungen. Mit seiner neuen Brexit-Party könnte er nun die Europawahlen gewinnen. Wieso ist der Rechtspopulist wieder so beliebt?

          5 Min.

          Als Nigel Farage die Bühne betritt, sieht es fast so aus, als habe er das Zentralkomitee hinter sich versammelt. In drei aufsteigenden Rängen haben die 73 Kandidaten seiner neuen Partei an der Rückseite des Saales Platz genommen und vermitteln dem Publikum, dass eine Menge Macht hinter dem großen Vorsitzenden sitzt. Der Charme der alten Sowjetunion bricht sich dann schnell in den ohrenbetäubenden Gitarren-Riffs, die den Auftritt des politischen Rockstars ankündigen. „Helloo Looondooon!“, ruft Farage und an breitet grinsend seine Arme aus.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Schon die Vorredner hatten den Tausenden Anhängern der Brexit Party eingeheizt, die zur Abschlusskundgebung ins „Olympia“ gekommen sind. Erst arbeitete sich Ann Widdecombe, die lange für die Tories im Parlament saß, an den Politikern in Westminster ab und rief: „Wir müssen Ihnen zeigen, wer der Boss ist!“ Dann kam Vaclav Klaus, der frühere Präsident der Tschechischen Republik, und versicherte der Brexit-Partei, dass sie „viele Freunde in Europa“ habe. Aber die Leute sind für Nigel Farage gekommen, viele, um ihn wenigstens einmal persönlich zu erleben. Wie immer, wenn er auf einer Bühne redet, schreitet er langsam auf und ab, und überlegt sich erst in letzter Sekunde, welchen Satz er als nächstes formuliert. Er spürt, wenn die Stimmung da ist, um einer Pointe eine zweite aufzusetzen. Geschickt arbeitet er mit Pausen, in denen das Publikum etwas zu Ende denken darf, oder lässt es Sätze, die er begonnen hat, vervollständigen. Niemand im Land, Boris Johnson eingeschlossen, hat seine Anhängerschaft derart im Griff und lässt, zumindest bei deutschen Beobachtern, Erinnerungen an den Hypnotiseur Cipolla in Thomas Manns „Mario und der Zauberer“ aufkommen.

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