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Vorwürfe gegen Gunnar Beck : AfD-Europakandidat soll Professorentitel zu Unrecht führen

  • Aktualisiert am

Trägt Gunnar Beck seinen Professorentitel zu Recht? (Symbolbild) Bild: dpa

Gunnar Beck wird bei der Europawahl auf Listenplatz 10 der AfD als „Professor“ geführt – dabei darf er den Titel in Deutschland womöglich gar nicht tragen. Die Sache könnte ein juristisches Nachspiel haben. Beck verteidigt sich jedoch.

          Der AfD-Europakandidat Gunnar Beck trägt seinen Professoren-Titel, mit dem unter anderem auf dem Wahlzettel für die kommende Europawahl und der Homepage der AfD geführt wird, womöglich zu Unrecht. Entsprechende Vorwürfe erhob zunächst das „Verfassungsblog“, am Dienstag berichtete der Deutschlandfunk. 

          Der 53 Jahre alte Beck war im November 2018 auf Listenplatz 10 der AfD gewählt worden. Bei dem Parteitag hatte er sich als „Professor und Fachanwalt für EU-Recht in London“ vorgestellt. Tatsächlich unterrichtet Beck an der SOAS-University in der britischen Hauptstadt unter anderem EU-Recht. An der Hochschule trägt er lediglich die Bezeichnung „Reader in Law“. Wie ein Sprecher der AfD dem Deutschlandfunk auf Anfrage mitteilte, entspreche die Tätigkeit eines Readers der eines Professors in Deutschland.  

          In einer Erklärung wandte sich auch Beck am Dienstag gegen die Vorwürfe. „Viele britische Universitäten haben die Berufsbezeichnung des Readers mittlerweile durch die Bezeichnungen Associate Professor, Professor oder zuweilen Titular Professor ersetzt“, so der AfD-Politiker. Wenn er seine Berufstätigkeit als Professur und Fach- oder Prozessanwalt für EU-Recht in London angegeben habe, sei „diese Übersetzung zutreffend“. Er habe „juristisch einwandfrei und inhaltlich richtig gehandelt“. Hätte er gewusst, dass es Zweifel an der Übersetzung geben würde, hätte er sich ausschließlich mit den englischen Titeln beschrieben, diese hätte aber „wahrscheinlich nur ein geringer Teil der deutschen Bevölkerung verstanden“.

          Doch laut dem nordrheinwestfälischen Wissenschaftsministerium, dass für die Titelprüfung des aus Neuss stammenden Beck zuständig ist, lässt sich die englische Bezeichnung einer Hochschulfunktion nicht ohne Weiteres in einen deutschen Titel umwandeln. Unabhängig von der Wertigkeit eines „Readers“ käme das Führen eines deutschen Professorentitels nicht in Betracht. 

          Auch Becks Bezeichnung als „Fachanwalt für Europarecht“ ist den Recherchen des Senders nach nicht korrekt: Denn der entsprechende Titel ist zum einen geschützt, zum anderen wird er von regionalen Rechtsanwaltskammern im Bereich Europarecht überhaupt nicht verliehen. Auf dem Wahlzettel und der AfD-Homepage ist Beck allerdings mit seiner englischen Bezeichnung „Barrister-at-law“ geführt. 

          Das Ganze könnte für Beck nun juristische Konsequenzen haben: Auf den Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen steht nach Paragraph 132a Strafgesetzubuch eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Der Wahlzettel lässt sich indes nicht mehr ändern; schließlich wurden die ersten Briefwahlunterlagen bereits verschickt. 

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