https://www.faz.net/-hz7-7p06n

Wahlwerbung : Ist das noch Satire oder schon Politik?

  • -Aktualisiert am

Ist das Satire oder kann das weg? Bild: Screenshot Youtube / Die Partei

Seitdem die Drei-Prozent-Hürde für die Europawahl gefallen ist, schalten sich auch die kleinen Parteien massiv in den Wahlkampf ein. FAZ.NET zeigt die absurdesten und witzigsten Spots.

          2 Min.

          Die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative" (Die Partei) ist seit ihrer Gründung 2004 durch einige Redakteure des Satiremagazins „Titanic" keine ganz bierernste Formation. Dennoch kandidiert sie seit 2009 für den Bundestag und nun auch für das Europaparlament. Ihr Wahlslogan lautet: „Europa ist uns egal". Damit entspreche sie der Einstellung von „rund 72 Prozent" der Bürger, spekuliert die Partei.

          Die Partei nimmt aber auch sich selbst nicht richtig ernst. Das zeigt auch ihr Werbevideo vom Februar 2014 mit dem Titel "Die Partei auf Stimmenfang zur Europawahl in Berlin". Nachdem sie den SED-Propagandasong „Die Partei, die Partei, die hat immer recht" für sich verwendet, lässt sie in Berlin ein paar Parteimitglieder sprechen, die behaupten, ernstzunehmende Politik zu betreiben und gleichzeitig „Satire in die Politik" bringen zu wollen.

          Ebenfalls recht selbstironisch ist der Werbespot der „Familien-Partei Deutschland“. Zwar hat sie ein ernstgemeintes politisches Programm: Sie tritt unter anderem für Menschenrechte sowie gleiche Besteuerungsgrundlagen in der EU ein, und mit diversen familienpolitischen Maßnahmen soll die „Solidarität zwischen den Generationen und Familiengerechtigkeit in der EU und ihren Mitgliedsstaaten“ hergestellt werden.

          Jedoch verpackt der Spot das Ganze selbstironisch. Die Familien-Partei stellt sich als Superheld dar, dessen alltäglicher Job darin besteht, älteren Damen über die Straße zu helfen. Abhilfe solle das Vorgehen eines störrischen Kindes schaffen, nach dessen Duktus die „Familie“ Politik betreiben wolle.

          Doch in den Wahllisten für die Europawahl finden sich auch Kleinparteien, die es bei der Wahl ernst meinen, mit ihrer Wahlwerbung hingegen unfreiwillig komisch wirken. Etwa die Partei „Christliche Mitte“ (CM), die für ein Deutschland nach Gottes Geboten steht. Ihr schwebt das klassische Familienmodell als Maßstab vor. Die sogenannte „islamische Bedrohung“ will sie  bekämpfen, indem sie etwa fordert, kriminelle Muslime auszuweisen.

          Im Werbespot der Partei ist die längste Zeit nur eine harmonische Mutter mit Kind zu sehen. Das Kind spielt mit einer Fötusfigur und fragt ihre Mutter über Babys aus. Das Ganze wirkt wie ein nostalgisches Aufklärungsvideo für Kleinkinder. Doch irgendwie steckt am Ende dahinter noch Politik: Denn Kinder und Babys brauchten Schutz, den die „Christliche Mitte“ gewährleisten könne, heißt es in der Werbung. Leider sagt das Video nicht aus, wie das erreicht werden soll.

          Inhaltlich stärker positioniert sich da schon die 1946 gegründete Bayernpartei (BP). Die wertkonservative Partei steht für ein „Europa der Regionen" gegen die „Allmachtsphantasien in der EU". Unter anderem ist sie eine der vielen Kleinparteien, die für Deutschlands Austritt aus dem Euro eintreten.

          Im wenig professionell anmutenden Werbespot wird - selbstverständlich - in bayerischer Mundart und mit viel Populismus über die „Anmaßung der EU" berichtet, der Bundeskanzlerin Merkel auch noch bayerische Steuergelder opfere. In dem Video erklärt die Partei sich mit Unabhängigkeitsbewegungen wie in Schottland solidarisch, lässt aber offen, ob sie selbst für einen unabhängigen Staat Bayern steht. Ob sie sich mit dem Vorschlag einer neuen europäischen Ordnung durchsetzen kann, in der Bayern allein den Ton angibt, dürfte stark zu bezweifeln sein. Doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Das gilt auch fpr den 25. Mai.

          Weitere Themen

          Orbáns letzter Trumpf

          Austritt aus EVP-Fraktion? : Orbáns letzter Trumpf

          Nach jahrelangem Ringen um das Verhältnis zu Viktor Orbán will die EVP ihre Geschäftsordnung ändern und so den Ausschluss der Ungarn aus der Fraktion erleichtern. Doch der Fidesz-Vorsitzende droht mit dem Austritt.

          Topmeldungen

          Der Afroamerikaner Jaques DeGraff lässt sich im Februar in New York gegen das Corona-Virus impfen.

          Impfung gegen Corona : Die alte Angst der Afroamerikaner

          In den Vereinigten Staaten lassen sich deutlich weniger Afroamerikaner impfen als Weiße. Das liegt auch an Erfahrungen, die Schwarze mit Gesundheitsbehörden gemacht haben. Viele kennen noch das Verbrechen von „Tuskegee“.
          Robert Lewandowski (links) schießt noch ein Tor mehr als Erling Haaland.

          FC Bayern besiegt Dortmund : Die große Show des Robert Lewandowski

          Das Topspiel der Bundesliga wird zur Bühne der Torjäger. Haaland trifft früh doppelt für den BVB, doch die Bayern sind am Ende wieder stärker. Denn Lewandowski schießt noch mehr Tore als Haaland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.