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Zypern : Von Zwischenstopps und Zwischenhändlern

Marios Mavridis, Abgeordneter der regierenden Partei der demokratischen Sammlung, begrüßt das ausdrücklich: „Eine solche Untersuchung wird sehr hilfreich sein, auch zur Beruhigung der öffentlichen Meinung. Allerdings ich weiß nicht, ob die Gesetze es erlauben werden, die Verantwortlichen juristisch zu belangen.“ Dass es Schuldige gibt, steht außer Frage. Eine Rekonstruktion von Zyperns Weg in den Untergang, soweit er schon nachvollziehbar ist, lässt eine Mischung aus abenteuerlichem Versagen und dreistem Betrug ahnen. Das beginnt bei der Frage, wieso zyprische Banken wie Laiki noch in griechische Staatsanleihen investierten, als längst klar war, dass Athen die Papiere nicht würde bedienen können.

Ein mit dem Geschäft bestens vertrauter Banker in Nikosia empfiehlt den Ermittlern, zwei Spuren zu folgen: „Die griechischen Staatsanleihen boten hohe Zinsen. Wer sie im Portfolio hatte, konnte also mit besseren Jahresergebnissen glänzen, was wiederum höhere Boni einbrachte.“ Solche Szenarien kurzfristiger Gewinnmaximierung um jeden Preis sind nicht neu, doch die andere geschilderte Variante ist eindeutig kriminell. Sie spielt im Jahr 2010, als griechische Staatsanleihen längst als gefährlich galten, weil ein Schuldenschnitt absehbar war. „Nehmen wir an, eine deutsche Bank will ihre Anleihen dringend loswerden und schaltet dazu einen Zwischenhändler ein, dem sie fünf Prozent Provision bietet, wenn er einen Käufer für die gefährlichen Papiere findet. Was wäre, wenn der Zwischenhändler die Provision mit einem hiesigen Bänker unter der Hand teilt, als Belohnung dafür, dass die giftigen Papiere von einem zyprischem Institut gekauft werden?“

Der teuerste Trugschluss der Geschichte

Es ist ein Mann mit Einblick, der den Ermittlern dringend rät, sich genau anzuschauen, wann zyprische Banken griechische Staatsanleihen erwarben und wer an den Transaktionen beteiligt war. „Laiki besaß griechische Staatsanleihen im Nominalwert von 3,5 Milliarden Euro, bei einer Bilanz von vierzig Milliarden. Der Anteil stieg noch, als Griechenland längst in großen Schwierigkeiten steckte. Das lässt sich rational nicht erklären.“

Im Fall der Laiki Bank springt ein anderer Umstand ins Auge: Zu den größten Anteilseignern gehörte seit 2006 auch die griechische „Marfin Investment Group“, die ihre Leute in den Aufsichtsrat entsandte. Nachdem Marfin eingestiegen war, wuchs das Kreditvolumen bei Laiki immens: Von Marfin-Leuten gebilligte Kredite wurden von der Marfin Group in Anspruch genommen. „Hier waren Kreditgeber und Kreditnehmer identisch, was die zyprische Zentralbank hätte erkennen und unterbinden müssen. Sie hat es aber nicht getan“.

Der vorerst letzte Akt des Dramas spielte sich dann am 19. März im Parlament ab. Ein mit dem Gang der Verhandlungen vertrauter Zyprer versichert, es habe die Möglichkeit gegeben, alle Guthaben über 100.000 Euro mit einer Abgabe von 17 Prozent zu belasten. Doch habe sich Anastasiadis, bedrängt von der mit dem Russengeschäft verbundenen Lobby aus Anwälten und Notaren im Parlament, dazu entschlossen, die Kleinsparer mit in Haftung zu nehmen, um das Geschäft mit reichen Anlegern zu retten. „Die Abgeordneten hielten Zypern für systemrelevant und glaubten, sie könnten mit ihrer Ablehnung des Plans die Eurozone in die Knie zwingen.“ Tatsächlich scheinen einige Abgeordnete am Dienstag vor einer Woche geglaubt zu haben, sie könnten ein Armdrücken gegen die Partner in der Währungsunion und gegen den Internationalen Währungsfonds gewinnen. Es dürfte der teuerste Trugschluss in der Geschichte Zyperns gewesen sein.

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