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Zypern : Von Zwischenstopps und Zwischenhändlern

Zypern wird keine freie Marktwirtschaft mehr sein

Ein treffendes Bild. Die verlassene Zentrale der Laiki Bank ließe sich tatsächlich gut in ein Museum umwandeln. Als Museum der Gier könnte es künftige Generationen daran erinnern, wohin Größenwahn, Habsucht und Fahrlässigkeit führen können. Oben in der Cafeteria erzählt ein (früherer) Laiki-Manager von dem, was nun kommt. Die Laiki Bank ist Geschichte, sie wird „abgewickelt“. Guthaben bis 100.000 Euro werden in die Bank of Cyprus überführt, der Rest ist für die bisherigen Inhaber ganz oder zu großen Teilen verloren. Doch die Bank of Cyprus, immer noch das größte Institut des Landes, steckt ebenfalls in Schwierigkeiten. Zwar hat Staatspräsident Nikos Anastasiadis nach seiner Rückkehr aus Brüssel verkündet, durch den Zusammenschluss der Bank of Cyprus mit dem gesunden Teil der Laiki Bank sei „eine starke Bank“ geschaffen worden, auf die Zypern sich verlassen könne. Doch Fachleute fürchten, der Optimismus könne verfrüht sein.

„Es geht jetzt darum, zu verhindern, dass auch die Bank of Cyprus untergeht“, sagt der Manager. Auf 50 Prozent beziffert er die Aussicht, dass das gelingt, die Bank of Cyprus also den Vertrauensverlust und einen möglichen Ansturm ihrer Kunden überstehen kann. Seine Begründung ist ein wirtschaftspsychologisches Kabinettstück: „Das wichtigste ist es jetzt, die Leute zu beruhigen und ihnen glaubhaft zu versichern, dass ihr Geld bei der Bank of Cyprus sicher ist.“ Ist es das denn? „Wenn die Leute sich beruhigen lassen, ja.“

Außer den Überredungskünsten der Banker stehen zur Beruhigung der Sparbürger auch die außerordentlichen Vollmachten der zyprischen Zentralbank zur Verfügung. Sie kann den Sparern zur Beruhigung eine finanzpolitische Zwangsjacke überstülpen. Auf absehbare Zeit wird Zypern keine freie Marktwirtschaft mehr sein. Ein in der vergangenen Woche verabschiedetes Gesetz erlaubt es der Zentralbank nicht nur, die Bargeldabhebung zu begrenzen (von 100 Euro pro Tag ist die Rede) und langfristige Kündigungsfristen für die Auflösung von Konten festzulegen. Die Zentralbank kann auch Girokonten per Dekret zu Termineinlagen erklären, den Überweisungsverkehr beliebig einschränken und jede andere Kontrollmaßnahme verfügen, die vom Finanzminister oder dem Zentralbankgouverneur „unter den gegebenen Umständen für notwendig gehalten wird, um die öffentliche Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten“.

Die Kapitalverkehrskontrollen könnten bis zu einem Jahr in Kraft bleiben, hieß es dazu am Dienstag aus unterrichteten Kreisen in Nikosia. Ein weiterer Aspekt der zyprischen Aufräumarbeiten betrifft die Suche nach den Schuldigen für das Desaster. „Ich glaube nicht, dass man hier wie in Griechenland die Deutschen für alles verantwortlich machen wird, wenn sich die Emotionen gelegt haben“, sagt Yiannis Tirkides, ehedem (und formal immer noch) Chefvolkswirt bei Laiki. Doch je stärker die absehbare Wirtschaftskrise in den kommenden Monaten werden wird, desto lauter dürfte die Frage nach den Verantwortlichen in den Vordergrund rücken. Anastasiadis hat in seiner jüngsten Rede an die Nation schon eine Antwort darauf versprochen. Seine Regierung werde „in den kommenden Tagen“ umfangreiche strafrechtliche Ermittlungen einleiten lassen mit dem Ziel, die Verantwortlichen für Zyperns Bankencrash zu identifizieren.

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