https://www.faz.net/-gpf-80wld

„Willkommenszentren“ : Schutz vor dem Tod im Mittelmeer

Alles riskiert: Überlebende einer Überfahrt von Libyen nach Sizilien (Aufnahme aus dem Oktober 2009) Bild: AFP

Der Vorschlag, für Asylbewerber „Willkommenszentren“ in Nordafrika einzurichten, hat endlich eine Chance verdient. Nicht ihre Befürworter sind zynisch, sondern die Gegner.

          1 Min.

          Mit der Idee, für Asylbewerber in Afrika „Willkommenszentren“ einzurichten, wo sie ihre Asylanträge stellen können, versucht Bundesinnenminister Thomas de Maizière einen alten Vorschlag seines Vorgängers Otto Schily (SPD) wiederzubeleben. Schily hatte vor fast genau elf Jahren angesichts zahlreicher ertrunkener Flüchtlinge vor Sizilien angeregt, in Nordafrika Aufnahmelager zu eröffnen, und wurde dafür von den Grünen und der FDP, aber auch aus den Reihen der SPD in Grund und Boden gestampft. „Absurd“ und „zynisch“ nannten die damalige Grünen-Vorsitzende Beer und der FDP-Rechtspolitiker Funke die Überlegungen damals; ein SPD-Abgeordneter namens Sebastian Edathy bezeichnete die Debatte als „überflüssig“ und „nicht nachvollziehbar“.

          Zehn Jahre später führen die EU-Innen- und Justizminister wieder dieselbe Diskussion. Einer Lösung des Problems sind sie offenkundig nicht einen Schritt näher gekommen. Noch immer kann in Europa nur einen Asylantrag stellen, wer Mittel und Wege findet, seine Grenzen illegal zu überwinden, und noch immer kommen dabei Jahr für Jahr hunderte, womöglich tausende Menschen um: ertrunken, verdurstet, erstickt.

          Und die Gegner solcher Aufnahmezentren bringen ebenfalls immer noch dieselben Argumente vor: Europa wolle sich mit Aufnahmezentren nur noch besser abschotten, und für die Probleme in Afrika müssten „nachhaltige“ Lösungen vor Ort gefunden werden. Auch der alte Zynismus-Vorwurf steht natürlich wieder im Raum.

          Der Zynismus liegt in diesem Fall aber allein auf ihrer Seite. Zynisch wäre es, nie etwas Neues zu versuchen, um vielen Menschen die Schlepper-Kriminalität und das tödliche Wagnis Mittelmeer zu ersparen.

          Susanne Kusicke
          Redakteurin der Politik.

          Weitere Themen

          Scholz spricht sich für allgemeine Impfpflicht ab März aus Video-Seite öffnen

          Corona-Beratungen : Scholz spricht sich für allgemeine Impfpflicht ab März aus

          Eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland rückt näher: Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte dazu in einem Interview mit Bild TV ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren an. Außerdem deutet sich eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen in Deutschland an.

          Topmeldungen

          Wieder unterwegs, aber es gibt zu wenig Impfstoff: im „Impfexpress“ in Frankfurt am Main.

          Impfkampagne : Es ist zum Verzweifeln

          Schlange stehen, Engpässe, Impf-Tohuwabohu und nun doch die Impfpflicht. Man möchte laut rufen: Der Staat ist um des Menschen willen da, nicht der Mensch um des Staates willen.
          
              Will eine Impfpflicht einführen: Olaf Scholz kommt zum Bund-Länder-Treffen im Bundeskanzleramt an

          Corona-Politik : SPD und Union gehen getrennte Wege

          Noch regiert die große Koalition. Bei den Verhandlungen über neue Corona-Maßnahmen zeigen beide Partner den Willen zu einer allgemeinen Impfpflicht. Doch es wird auch klar, dass sie sich in Kürze trennen.
          Besonders schwere Fälle können nicht mehr verlegt werden, weil der Transport aufwändig ist.

          Patienten-Transporte : „Die Leute können nicht mehr“

          Erst half Deutschland seinen Nachbarländern – nun ist das Gegenteil der Fall: Corona-Patienten müssen ins Ausland verlegt werden. Nicht nur Bayern will auf internationale Hilfe setzen.
          Beratungszimmer vor dem Sitzungssaal im Bundesverfassungsgericht

          Urteil zur Bundesnotbremse : Karlsruhes Richtschnur für die Corona-Politik

          Erstmals äußert sich das Bundesverfassungsgericht zu den schwersten Grundrechtseingriffen in der Geschichte der Bundesrepublik – und sagt, dass sie alle zulässig waren. Für die Ampel-Parteien kommt der Richterspruch zur rechten Zeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.