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Wladimir Putin : Gemeinsame Ziele und Werte

  • -Aktualisiert am

Putin gratuliert Europa Bild: AP

Wir sind bereit, auf die Europäische Union so weit wie möglich zuzugehen, wenn diese uns auf halber Strecke entgegenkommt: Der Kreml fordert ein neues Partnerschaftsabkommen mit der EU. Von Wladimir Putin.

          5 Min.

          Denkt man über das fünfzigjährige Jubiläum der Europäischen Union nach, so wendet man sich von selbst dem Werdegang der Geschichte zu. Einst war es der „gladius“, das Schwert der Legionäre, der unter der Macht Roms den riesigen Raum von Britannien bis Athen, vom Rhein bis zur Iberischen Halbinsel zusammenfügte. Seither sind zweitausend Jahre vergangen. Europa erlebte Vernichtungskriege und den Zusammenbruch von Imperien. Es lernte die Diktatur der Tyrannen und die Gräuel des Nationalsozialismus kennen, aber es durchlebte auch die Epoche der Renaissance und Aufklärung, und es ließ die Demokratie aufkeimen.

          Wie so oft nahm die Geschichte eine erstaunliche Wende: Vor fünfzig Jahren wurden in Rom, der Ewigen Stadt der Antike, die Verträge unterzeichnet, die den Weg zu einer neuen Vereinigung der Völker Europas ebneten. Grundlage dieser Vereinigung waren nicht Gewalt und Zwang, sondern gemeinsame Werte und Ziele.

          Offene Wunden

          Damals, vor fünfzig Jahren, war der Inhalt der Römischen Verträge in der Tat innovativ, sogar fast revolutionär. Viele Wunden des Zweiten Weltkrieges waren noch nicht verheilt. Aber die Länder, die die Verträge unterzeichnet hatten, haben es vermocht, den politischen Willen aufzubringen, die Vergangenheit zu überwinden und eine solidarische Strategie der Zusammenarbeit und der Integration zu entwickeln.

          Die Gründerväter der paneuropäischen Bewegung träumten vom „Wohlstand, dem Frieden und der Unabhängigkeit des Kontinents“. Ihre Visionen waren zukunftsweisend, ebenso wie die Erkenntnis, dass Sicherheit und Wohlstand unteilbar sind. Die Gründung der Europäischen Gemeinschaft am 25. März 1957 hat ohne Zweifel einen immensen Einfluss auf die Gestaltung des modernen Europas ausgeübt. Ausgehend von den Römischen Verträgen haben die Mitgliedstaaten der EU große Fortschritte in der Gewährleistung der Rechte und Freiheiten ihrer Bürger erzielen können.

          Nichtsdestotrotz entstanden die Voraussetzungen für die Verwirklichung der europäischen „Uridee“ - der Überwindung der Spaltung des Kontinents - erst mit Ende des Kalten Krieges. Darin besteht die „Friedensdividende“, die alle Europäer nach dem Fall der Berliner Mauer erhalten haben. In diesem Sinne hat die Wahl des russischen Volkes zu Beginn der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts den Raum der Freiheit auf dem Kontinent nicht einfach nur erweitert, sondern auch die Wege der weiteren europäischen Integration vorgegeben.

          Tolstoi und Kandinsky

          Diese Wahl war in vielem durch die Geschichte der russischen Nation geprägt. Dem Geist und der Kultur nach ist unser Land ein unabdingbarer Bestandteil der europäischen Zivilisation, zu deren Entwicklung und Pflege das russische Volk einen unschätzbaren Beitrag geleistet hat. Europäische Kultur ist ohne die Meisterwerke von Tschaikowsky, Schostakowitsch, Tolstoi und Nabokov, Kandinsky und Malewitsch undenkbar.

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