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Wladimir Putin : Gemeinsame Ziele und Werte

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Die Beziehungen zwischen Russland und seinen Nachbarn in Europa sind geprägt durch ein Verhältnis der Interdependenz und der gegenseitigen Bereicherung. Meine Heimatstadt St. Petersburg wurde dank der Kunst und dem Können der Architekten und der Baumeister aus Westeuropa zur großartigen Hauptstadt des Nordens, und für viele von ihnen wurde Russland zur zweiten Heimat. Es ist symbolisch, dass die Menschen dieser wahrhaft europäischen und zugleich russischen Stadt heroisch eine schreckliche Blockade überstanden und somit zu einem leuchtenden Beispiel im Kampf gegen den Nationalsozialismus wurden. Dessen barbarische Ideologie stand im krassen Widerspruch zu allen Idealen der europäischen Zivilisation, zu allem, wonach das vereinte Europa heutzutage strebt.

Endgültige Versöhnung

In seiner berühmten Puschkin-Ansprache hat Dostojewski meiner Ansicht nach eine politisch-philosophische Definition der europäischen Berufung Russlands gegeben: „Ein richtiger Russe zu werden, soll ebendies bedeuten: bestrebt zu sein, endgültige Versöhnung in europäische Gegensätze einzubringen.“ Der große Schriftsteller hatte es gefühlsmäßig klar erkannt, dass Europa ohne Russland nie im Frieden mit sich selbst sein kann, wie auch Russland ohne Europa nie seine „europäische Sehnsucht“ zu stillen vermag. Es ist meine Überzeugung, dass es keine echte Einheit unseres Kontinents geben kann, solange Russland - der größte europäische Staat - nicht zu einem genuinen organischen Teil des europäischen Prozesses geworden ist.

Die Reformen Peters des Großen waren ein entschiedener Schritt zur Modernisierung des Landes und reihten es fest in die europäische Politik ein. Seither hat Russland alle Triumphe und alle Tragödien Europas miterlebt. Zweimal spielten wir eine entscheidende Rolle bei der Vereitelung der Versuche, Europa gewaltsam zu vereinen. Ohne diesen Beitrag wäre auch das gegenwärtige europäische Großprojekt, welches sich auf den guten Willen der Europäer stützt, unmöglich.

Alles, ohne Institutionen

Heute, beim Aufbau eines souveränen demokratischen Staates, teilen wir voll und ganz jene grundlegenden Werte und Prinzipien, die die Weltsicht der Europäer prägen: die Respektierung des Völkerrechts, die Ablehnung der gewaltsamen Lösung internationaler Probleme, die Stärkung multilateraler Kooperationsformen in der europäischen und globalen Politik. Diese Gemeinsamkeit unserer Sichtweise der modernen Welt erleben wir beim Zusammenwirken in den Vereinten Nationen, der G 8 und anderen internationalen Foren.

Ein stabiles, prosperierendes und geeintes Europa entspricht unseren Interessen. Wir bewerten die europäische Integration als Teil der Entstehung einer multipolaren Weltordnung. Aus diesem Grunde ist es für uns wichtig, dass die Europäische Union stetig an Ansehen und Einfluss gewinnt und einen bedeutsamen Beitrag zur Gewährleistung der regionalen und globalen Sicherheit erbringt. Die vielfältigen Beziehungen mit der EU weiterzuentwickeln ist eine grundsätzliche Entscheidung Russlands. Dennoch: Auf absehbare Zukunft haben wir - aus offensichtlichen Gründen - weder die Absicht, der Europäischen Union beizutreten noch gemeinsame Institutionen aufzubauen. Ich stimme dabei Romano Prodi zu, der einmal die Beziehungen zwischen Russland und der EU auf die Formel brachte: „alles, ohne Institutionen“.

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